Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1907/08

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Die Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1907/08 entschied mit dem FC Stuttgarter Kickers erstmals ein Verein aus Württemberg für sich. Die Blau-Weißen hatten bis dahin stets im Gau Schwaben dominiert, sich aber erst in diesem Jahr im Südkreis durchsetzen können. In der süddeutschen Endrunde gewannen die Kickers sämtliche Spiele gegen die Mannschaften des 1. FC Nürnberg, des 1. Hanauer FC 93 und des FC Pfalz 03 Ludwigshafen. Erst im Finale um die Deutsche Meisterschaft 1908 mussten sich die Degerlocher geschlagen geben.

Das Verbandsgebiet war ab dieser Spielzeit in vier statt bisher drei Kreise eingeteilt, denn die Pfälzer Vereine bildeten nunmehr mit der Schaffung eines Westkreises ein eigenständiges Gebiet. Die Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft, zu der wie bisher die Kreismeister qualifiziert waren, wurde ab dieser Saison nicht mehr wie bisher im K.o.- sondern im Ligamodus zwischen den vier Kreismeistern ausgespielt.

Abseits des Vereinsfußballs fand am 5. April 1908 das erste Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft statt. Aus dem Bereich des süddeutschen Verbandes wurden Fritz Becker (Frankfurter Kickers), Fritz Förderer (Karlsruher FV), Arthur Hiller (1. FC Pforzheim) und Eugen Kipp (Sportfreunde Stuttgart) berufen. Am 10. Mai 1908 wurde ein Spiel der Auswahlmannschaften des Nordkreises und des Südkreises organisiert (2:1).

Nordkreis

Kurioserweise zog sich die Staffeleinteilung im Nordkreis quer durch die Stadt Frankfurt, so waren die Vereine aus dem westlichen Stadtteil Bockenheim in den Gau Westmain eingeteilt, während Victoria, Kickers und FSV in der Südmain-Staffel spielten. In der Endrunde spielten die Frankfurter Vereine aber nur eine Nebenrolle, der 1. Hanauer FC 93 sicherte sich die Nordkreismeisterschaft vor der Mannheimer Viktoria. Noch während der Endrunde startete in Frankfurt nochmals eine Stadtmeisterschaft des Frankfurter Association-Bunds, die Germania 94 für sich entscheiden konnte.

Gaumeister des Nordkeises
Westmain Bockenheimer FVgg
Südmain Frankfurter FC Kickers
Ostmain 1. Hanauer FC 93
Neckar Mannheimer FC Viktoria 1897
A-Klasse Südmaingau
1. Frankfurter FC Kickers 10 53:15 19–01
2. SV Wiesbaden 10 48:20 17–03
3. Germania 94 Frankfurt 10 27:26 08–12
4. Frankfurter FC Victoria 10 24:33 08–12
5. Hermannia Frankfurt 10 18:24 06–14
6. Germania Wiesbaden 10 09:61 02–18
FC 01 Wiesbaden zurückgezogen
FSV Frankfurt disqualifiziert[N 1]
A-Klasse Ostmaingau
1. 1. Hanauer FC 93
2. Kickers Offenbach 4 1 1 2 05:14 3–5
3. Viktoria 1894 Hanau
A-Klasse Neckargau
1. Mannheimer FC Viktoria 1897 8 5 2 1 36:16 12–04
2. Mannheimer FG Union 1897 8 5 1 2 30:15 11–05
3. Mannheimer FG 1896 8 4 1 3 17:15 09–07
4. Phönix Mannheim 8 4 0 4 21:23 08–08
5. Mannheimer SC Germania 97 8 0 0 8 11:46 00–16
Endrundenspiele Nordkreis
1. Hanauer FC 93 Frankfurter FC Kickers 8:2 und 3:1
Mannheimer FC Viktoria 1897 Frankfurter FC Kickers 5:1 und 6:0
Frankfurter FC Kickers Bockenheimer FVgg 10:0 und 9:0
übrige Ergebnisse unbekannt
Abschlusstabelle Endrunde Nordkreis
1. 1. Hanauer FC 93 6 5 0 1 39:10 10–02
2. Mannheimer FC Viktoria 1897 6 5 0 1 38:11 10–02
3. Frankfurter FC Kickers[N 2] 6 2 0 4 23:21[N 3] 04–08
4. Bockenheimer FVgg 6 0 0 6 02:60 00–12
  1. Der FSV Frankfurt trat zum letzten Spiel bei Germania Wiesbaden nicht an und wurde disqualifiziert. Die bereits ausgetragenen Spiele wurden annulliert.
  2. Der Frankfurter FC Kickers fusionierte am 1. Februar 1908 mit dem Fußball-Verein Frankfurt zum „Fußball-Verein Frankfurter Kickers“.
  3. Aufgrund der vorliegenden Spielergebnisse ergäbe sich allerdings ein Torverhältnis von 23:22.

Westkreis

Im der nunmehr zum eigenständigen Kreis erhobenen Pfälzer Spielklasse traten lediglich fünf Mannschaften aus Ludwigshafen und Kaiserslautern an. Erster Westkreismeister wurde der FC Pfalz 03 Ludwigshafen.

A-Klasse Westkreis
1. FC Pfalz 03 Ludwigshafen 8 25:08 14–02
2. FC Palatia Kaiserslautern 8 26:17 09–07
3. FC 1900 Kaiserslautern 8 21:22 07–09
4. FC Bavaria Kaiserslautern 8 16:24 07–09
5. Revidia 1900 Ludwigshafen 8 15:32 03–13

Südkreis

In allen drei Staffeln des Südkreises setzten sich die Vorjahresmeister durch. Der Südkreis-Titelverteidiger und amtierende Deutsche Meister Freiburger FC hatte zu dieser Spielzeit zahlreiche Abgänge zu verkraften (Torhüter Paul „Gilly“ von Goldberger etwa war im Herbst 1907 nach Frankfurt übergesiedelt, Verteidiger Louis de Villiers in seine Heimat Südafrika zurückgekehrt) und belegte in der Endrunde nur den letzten Platz. Auch „Altmeister“ Karlsruher FV schnitt überraschend schwach ab, verlor ein Spiel gegen den Freiburger FC und unterlag dem neuen Südkreismeister Stuttgarter Kickers deutlich mit 0:7. Die Schwaben um den jungen Mittelstürmer Otto Löble erwiesen sich nach ihrer ersten gewonnenen Kreismeisterschaft auch auf süddeutscher Ebene als stärkste Mannschaft.

Gaumeister des Südkeises
Mittelbaden Karlsruher FV
Oberrhein Freiburger FC
Schwaben Stuttgarter Kickers
A-Klasse Gau Oberrhein
1. Freiburger FC 4 4 0 0 25:0 8-0
2. FC Donar Straßburg 4 1 0 3 4:13 2-6
3. FV Hagenau 4 1 0 3 2:18 2-6

Der FC Mülhausen 1893 hatte zurückgezogen. FC Donar und Straßburger FV haben vermutlich eine Spielgemeinschaft gebildet.

Endrundenspiele Südkreis
Stuttgarter Kickers Freiburger FC 4:0 und 4:3
Stuttgarter Kickers Karlsruher FV 7:0 und 0:0
Karlsruher FV Freiburger FC unbekannt
Abschlusstabelle Endrunde Südkreis
1. Stuttgarter Kickers 4 3 1 0 19:7 7–1
2. Karlsruher FV 4 1 1 2 6:13 3–5
3. Freiburger FC 4 1 0 3 7:12 2–6

Ostkreis

In Bayern setzte sich zum dritten Mal in Folge der 1. FC Nürnberg durch, der im Gau Mittelfranken ebenso wenig Probleme hatte, seine Gegner auf Distanz zu halten wie in der Endrunde um die Ostkreismeisterschaft. Herausragend in der Elf des FCN war in dieser Zeit der Sturm mit Haggenmiller, Steinmetz und Philipp, sowie Mittelläufer Hertel und Verteidiger Aldebert. In der Region sprach man aufgrund der Erfolge bereits voller Hochachtung vom „Club“, bis sich dieser Beiname auch überregional durchsetzen konnte, sollte es allerdings noch einige Jahre dauern, denn in der süddeutschen Endrunde dominierten zunächst weiterhin die Vereine aus dem Südkreis.

Datei:1 FC Nuernberg 1908.jpg
Stolz präsentiert sich die Mannschaft des 1. FC Nürnberg als „Meister von Bayern 1906/07/08“. Noch ein weiteres Jahr setze der „Club“ seine Serie fort, dann wurde er von FC Bayern und schließlich von der SpVgg. Fürth abgelöst.
Gaumeister des Ostkeises
Mittelfranken 1. FC Nürnberg
Oberbayern FC Bayern München
Donau MTV Augsburg
A-Klasse Gau Mittelfranken
1. 1. FC Nürnberg 6 37:06 11–01
2. SpVgg. Fürth 6 22:24 06–06
3. FC Noris Nürnberg 6 15:25 05–07
4. FC Franken Nürnberg 6 10:29 02–10
A-Klasse Gau Oberbayern
1. FC Bayern München 8 7 0 1 27:10 14–02
2. MTV München 1879 8 5 1 2 24:13 11–05
3. FC Bavaria 1899 München[O 1] 8 3 1 4 13:22 07–09
4. Wacker München 8 1 2 5 13:19 04–12
5. TV München 1860 8 2 0 6 11:24 04–12
  1. Die Spieler des FC Bavaria 1899 München traten noch im Jahr 1907 in die Turngemeinde München ein und spielten fortan als „Fußballabteilung der TG München“ weiter.
Endrundenspiele Ostkreis
1. FC Nürnberg FC Bayern München 5:3 und 2:1
1. FC Nürnberg MTV Augsburg 9:5 und 4:2
FC Bayern München MTV Augsburg 8:2 und 3:3
Abschlusstabelle Endrunde Ostkreis
1. 1. FC Nürnberg 4 4 0 0 20:11 8–0
2. FC Bayern München 4 1 1 2 15:12 3–5
3. MTV Augsburg 4 0 1 3 12:24 1–7

Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft

Südkreismeister Stuttgarter Kickers gewann in der süddeutschen Endrunde alle sechs Spiele und ließ so die Konkurrenz deutlich hinter sich. In der sich anschließenden Endrunde um die Deutsche Meisterschaft traf die Mannschaft erneut auf einen Südvertreter, den Vorjahresmeister Freiburger FC. Das vor 2000 Zuschauern in Pforzheim ausgetragene Viertelfinalspiel endete mit einem Eklat: Die Freiburger Spieler wollten beim Stand von 1:0 den Platz verlassen, weil die Kickers gegen Schiedsrichterentscheidungen protestiert hatten. Der Deutsche Fußball-Bund verhängte daraufhin eine Geldstrafe in Höhe von 100 Mark gegen die Breisgauer und setzte das Spiel neu an. In diesem Wiederholungsspiel, das auf dem KFV-Platz in Karlsruhe ausgetragen wurde, gewannen die Degerlocher mit 5:2. Die Stuttgarter Kickers drangen nach einem Sieg gegen den Duisburger SpV bis ins Endspiel vor. Ohne die verletzten Otto Löble und Karl Reich unterlagen die Kickers Viktoria 89 Berlin mit 1:3.

1. Stuttgarter Kickers 6 6 0 0 29:07 12–00
2. 1. FC Nürnberg 6 2 1 3 18:10 05–07
3. 1. Hanauer FC 93 6 2 1 3 13:15 05–07
4. FC Pfalz 03 Ludwigshafen 6 1 0 5 05:33 02–10

Die Endrundenspiele (Reihenfolge nicht chronologisch):

Stuttgarter Kickers 1.FC Nürnberg 2:1
1.FC Nürnberg Stuttgarter Kickers 1:4
1. Hanauer FC 93 1.FC Nürnberg 1:1
1.FC Nürnberg 1. Hanauer FC 93 5:0
FC Pfalz 03 Ludwigshafen 1.FC Nürnberg 2:1
1.FC Nürnberg FC Pfalz 03 Ludwigshafen 9:1
Stuttgarter Kickers 1. Hanauer FC 1893 4:3
1. Hanauer FC 1893 Stuttgarter Kickers 2:3
Stuttgarter Kickers FC Pfalz 03 Ludwigshafen 12:0
FC Pfalz 03 Ludwigshafen Stuttgarter Kickers 0:4
FC Pfalz 03 Ludwigshafen 1. Hanauer FC 93  ?:? Hanau gewann
1. Hanauer FC 93 FC Pfalz 03 Ludwigshafen  ?:? Hanau gewann

Quellen

Überregional
  • Hardy Grüne: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. 1890 bis 1963 (= Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1). Agon Sportverlag, Kassel 1996, ISBN 3-928562-85-1
  • Süddeutscher Fußball-Verband (Hrsg.): 100 Jahre Süddeutscher Fußball-Verband. Vindelica-Verlag, Gersthofen 1997, ohne ISBN (DNB-Link)
  • Der deutsche Fußball (1900 – 1920) (= Libero, Spezial deutsch, Nr. D3, 1992). IFFHS, Wiesbaden 1992, hier insb. S. 84–94 (DNB-Link)
Regional
  • Willi Adam, Thomas Riedel: Das große Tabellenbuch. Fußball Südbaden von 1898 bis 2000. Belchen Verlag, Freiburg 2000, ISBN 3-933483-56-5, Seite 16
  • Ulrich Matheja: Schlappekicker und Himmelsstürmer. Die Geschichte von Eintracht Frankfurt. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-538-9
  • Dietrich Schulze-Marmeling: Die Bayern. Die Geschichte eines Rekordmeisters. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-669-0
  • Harald Schock, Christian Hinkel: Ein Jahrhundert FSV Frankfurt 1899 e.V. Die Geschichte eines traditionsreichen Frankfurter Sportvereins (Festschrift). FSV Frankfurt 1899 e.V. (Hrsg.), Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-89784-189-4
  • 90 Jahre Karlsruher Fussballverein. Eine illustrierte Chronik (Festschrift). Karlsruher FV (Hrsg.), Karlsruhe 1981, ohne ISBN (DNB-Link)
  • Gerhard Zeilinger: Die Pionierzeit des Fussballspiels in Mannheim. Die ersten 25 Jahre von 1894 bis 1919. Fussball-Archiv, Mannheim 1992, ISBN 3-89426-044-0
  • Eintracht-archiv.de - Spielzeiten (private Website über Eintracht Frankfurt)
  • Greuther-fuerth.de - Saisonhistory (offizielle Website der SpVgg Greuther Fürth)
  • Kickers-archiv.de - Spieljahre (private Website über die Stuttgarter Kickers)


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