Fußballschiedsrichter

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Ein Fußballschiedsrichter kontrolliert bei einem Fußballspiel die Einhaltung der Fußballregeln.

Aufgaben und Funktionen

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Schiedsrichters: die Pfeife
Gehören ebenfalls zur Grundausstattung - die Gelbe und die Rote Karte

Der Schiedsrichter leitet das Fußballspiel und verschafft den Fußballregeln Geltung. Hierfür kann der Schiedsrichter Spielstrafen und Disziplinarstrafen verhängen, hinzu kommt die Möglichkeit, Regelverstöße und andere unsportliche Verhaltensweisen, die nach dem Regelwerk nicht unmittelbar geahndet werden dürfen, weil sie beispielsweise außerhalb des Spielfeldes stattfanden, zur sportgerichtlichen Ahndung zur Meldung zu bringen. Bei den Spielstrafen unterscheidet man zwischen dem direkten und dem indirekten Freistoß und dem Strafstoß (umgangssprachlich als Elfmeter bezeichnet), die abhängig von Art und Ort des Vergehens sowie gegebenenfalls der Zielperson des Regelverstoßes (Mitspieler, Gegenspieler, Offizielle, SR) zu verhängen sind. Bei den Disziplinarstrafen (veraltet: persönlichen Strafen) unterscheidet man die Verwarnung (angezeigt durch die Gelbe Karte), den Feldverweis wegen eines verwarnungswürdigen Verhaltens bzw. Vergehens nach einer bereits erfolgten Verwarnung (die Gelb-Rote Karte), welche üblicherweise bis auf Regelungen in einigen Landesverbänden und in der Bundesliga von einer automatischen Sperre im folgenden Meisterschaftsspiel keine weiteren Sanktionen nach sich zieht sowie den Feldverweis (die Rote Karte), welcher regelmäßig weitere Strafen (Sperre und/oder Geldstrafe) nach sich zieht. Bei Jugendfußballspielen gibt es in einigen Verbänden anstatt der Gelb-Roten Karte den Feldverweis auf Zeit (Zeitstrafe). Beim Hallenfußball kann es (verbandsabhängig) sowohl die Gelb-Rote Karte als auch die Zeitstrafe geben. Hier wird nach einem weiteren verwarnungswürdigen Verhalten sofort der Feldverweis ausgesprochen. Die Disziplinarstrafen können sich gegen Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselte Spieler richten und können mit Betreten des Spielfeldes durch den Schiedsrichter bis zum Verlassen des Platzes nach Spielende erteilt werden.

Neben der Spielleitung hat der Schiedsrichter noch eine Reihe weiterer Aufgaben (z. B. Kontrolle der vorgeschriebenen Ausrüstung der Spieler), die in den Fußballregeln sowie den jeweiligen Spielordnungen der Fußballverbände festgelegt sind.

Viele Spiele, insbesondere in den höheren Spielklassen, werden durch ein Schiedsrichterteam geleitet. Dabei wird der Schiedsrichter durch zwei Schiedsrichterassistenten unterstützt, die ihm bei der Spielleitung helfen, indem sie mit der Fahne anzeigen, wenn Vergehen (Fouls) im Rücken des Schiedsrichters vorliegen oder der Schiedsrichter ein Vergehen z. B. wegen einer ungünstigeren Positionierung zum Geschehen nicht erkennen konnte, Spieler in Abseitsstellungen stehen, der Ball das Feld verlassen (Abstoß/Eckstoß, Einwurf) oder die Torlinie überschritten (Tor) hat. Ab welcher Spielklasse Schiedsrichterassistenten eingesetzt werden, bestimmt der jeweilige Kreis-, Bezirks- oder Landesverband für seinen Bereich, in der Regel orientiert an der Anzahl vorhandener qualifizierter Schiedsrichter. Teilweise werden schon Spiele der Kreisliga mit Teams besetzt, andernorts erst ab der Landesliga. Gerade in den unteren Spielklassen werden häufig Jungschiedsrichter (unter 18, in einigen Verbänden auch unter 16 Jahren) als Schiedsrichterassistenten eingesetzt, damit sie Erfahrungen für spätere eigene Spielleitungen sammeln können.

Im Profifußball gibt es zudem den Vierten Offiziellen, der dem ersten Schiedsrichterassistenten Aufgaben abnimmt, Auswechslungen kontrolliert, die vom Schiedsrichter festgelegte Nachspielzeit anzeigt oder auch das Umfeld überwacht (Verhalten der Fußballtrainer, der Auswechselspieler und der Offiziellen und Platzordner). Bei besonderen Veranstaltungen wie beispielsweise der Europameisterschaft kommt auch ein Fünfter Offizieller zum Einsatz, der regelmäßig den Vierten Offiziellen unterstützt. Hintergrund dieser Erweiterung ist, dass Vierter und Fünfter Offizieller zugleich als Schiedsrichter bzw. Schiedsrichterassistent spezialisiert sind, sodass beim Ausfall des Schiedsrichters oder eines Assistenten hierfür sofort spezialisierter Ersatz verfügbar ist.

Historie

Vierte Offizielle Inka Müller im UEFA-Women's-Cup-Finale 2005 bei Auswechslung

Für alle am Fußballspiel beteiligten ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass die Spiele von geprüften neutralen Fußballschiedsrichtern geleitet werden. Als man Mitte des 19. Jahrhunderts anfing Fußball zu spielen, war es allerdings noch nicht so. In den Anfangsjahren leiteten die Mannschaftsführer beider am Spiel beteiligten Mannschaften das Spiel. Das ging so vor sich, dass der Mannschaftsführer der Mannschaft, deren Spieler gegen die Regel verstieß, das Spiel unterbrach und den Ball für den Stoß durch den Gegner freigab. Erst im Jahre 1873, nachdem bereits zehn Jahre Fußball gespielt wurde und zehn Jahre nach den ersten Fußballregeln, ist der Begriff des Schiedsrichters in die Regeln aufgenommen worden. Als dabei der Schiedsrichter und zwei Unterschiedsrichter (Umpires) in den Regeln eingeführt wurden, hatte der Schiedsrichter lediglich die Funktion einer Berufungsinstanz. Er saß als Funktionär am Spielfeldrand. Verstieß ein Spieler gegen die Regeln wurden die Umpires von den Mannschaftsführern angerufen. Nur wenn diese sich nicht einigen konnten, musste der Schiedsrichter entscheiden. Es konnten von da ab nicht mehr die Mannschaftsführer entscheiden; diese Befugnis ging auf die Umpires über. Diese wiederum durften nicht in den Mannschaften spielen. Es stand den Mannschaften aber immer noch frei sich auf einen Schiedsrichter zu einigen, der gewissermaßen Schlichter gegenüber umstrittenen Entscheidungen der Umpires war. Der Schiedsrichter erhielt die Bezeichnung Referee, die international immer noch gilt. Als dann im Jahre 1880 der Schiedsrichter in das Regelwerk aufgenommen wurde, trug diese Regel die Nr. 15 und lautete: Im Einvernehmen, der an den Spielen beteiligten Mannschaften, kann ein Schiedsrichter bestellt werden, dessen Pflicht es sein soll in allen Streitfällen der Umpires zu entscheiden. Er soll sich über den Verlauf des Spieles Aufzeichnungen machen und auch die Zeit nehmen. Bei ungebührlichem Betragen eines Spielers soll er den oder die schuldigen Spieler in Gegenwart der Umpires verwarnen oder und bei grob unsportlichem Betragen vom Spiel ausschließen. Der oder die Namen der schuldigen Spieler sind der zuständigen Behörde zu melden, die allein das Recht hat eine Entscheidung entgegen zu nehmen. Der Schiedsrichter war immer noch nicht der alleinige Leiter des Spiels, aber schon die entscheidende Stelle bei Unstimmigkeiten. Den Begriff „neutral“ kannte die Regel nicht. Jeder Schiedsrichter, auf den sich die Mannschaften einigten, war in seinen Entscheidungen unangreifbar.

Im Jahre 1889 wurden die Bestimmungen über die Leitung von Spielen neu gefasst und die Rechte der Umpires und der Schiedsrichter genau umrissen. Die Bestimmungen lauteten: Zwei Umpires sind zu bestellen, deren Aufgabe es ist, alle Streitpunkte zu entscheiden, wenn sie dazu aufgerufen werden. Ein Schiedsrichter ist zu bestellen, der alle Streitfälle zwischen den Umpires regelt. Es ist Pflicht des Schiedsrichters in allen Fällen zu entscheiden, in denen die Umpires nicht übereinstimmen oder wenn ein Umpire keine Entscheidung trifft. Obwohl man dazu nicht verpflichtet war, einigte man sich damals bei entscheidenden Spielen schon auf einen neutralen Schiedsrichter. Die Pflicht, für die Leitung eines Spieles einen Schiedsrichter zu bestimmen, bestand seit dem Jahre 1882, weil sich die Unstimmigkeiten mehr und mehr häuften. Den Schiedsrichter als alleinigen Leiter eines Spieles gibt es seit dem Jahre 1890.

Im Jahre 1891 wurden die Umpires abgeschafft und an ihrer Stelle traten die Linienrichter. Die Stellung des Schiedsrichters wurde dadurch aufgewertet. Für die Linienrichter wurde eine eigene Regel geschaffen. Der Schiedsrichter wurde der alleinige Leiter des Spiels und die Linienrichter ihm unterstellt. Anhand dieser Ausführungen kann man erkennen, welcher Wandlung die Stellung des Spielführers einer Mannschaft, der Linienrichter und des Schiedsrichters unterworfen waren.

Nach einer Statistik der FIFA von 1972 gab es weltweit 243.596 Schiedsrichter.

Voraussetzungen

Um Schiedsrichter zu werden, sollte man Interesse am Fußball und an sportlicher Aktivität allgemein haben. Wer schon in einem Fußballverein als Fußballspieler angemeldet ist, kann sich über den Verein für einen Schiedsrichterlehrgang anmelden lassen. Wer noch kein Vereinsmitglied ist, kann sich auch direkt an die Schiedsrichterausschüsse in der näheren Umgebung wenden und sich dort anmelden. Das Mindestalter liegt bei 12 bis 14 Jahren je nach Verbandsregeln. Die Kosten für die Ausbildung und Ausrüstung übernimmt in der Regel der Verein. Der Schiedsrichterlehrgang wird mit einer theoretischen (Regelfragen) und üblicherweise auch mit einer praktischen Prüfung (Laufen, meist bestehend aus einem Sprint- und einem Ausdauerteil (Cooper-Test) abgeschlossen. Die Schiedsrichtervereinigung Mannheim bildet beispielsweise die Interessenten an fünf Tagen in einem „abwechslungsreichen Lehrgang“ zu Schiedsrichtern aus.[1]

Danach wird der neue Schiedsrichter in der Regel zuerst bei Jugendspielen angesetzt und kann danach, bei entsprechenden Leistungen, wie die Mannschaften Liga für Liga im Herrenbereich aufsteigen. Dafür wird er von Schiedsrichterbeobachtern bei seinen Spielleitungen benotet und muss regelmäßig zu einer monatlichen Pflichtsitzung, sowie Schulungen im Kreis/Bezirk und Lehrgängen auf Verbands-/DFB-Ebene erscheinen und dort mindestens einmal pro Jahr erneut eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen. Die besten Schiedsrichter jeder Klasse steigen dann auf. Dabei ist jeder Schiedsrichter üblicherweise auch in höheren Ligen als Assistent tätig.

Wer zu den Besten gehört, kann schließlich bis in die Bundesliga aufsteigen. Dazu sind allerdings etliche Jahre (mindestens etwa zehn) zu veranschlagen.

Die meisten Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter üben noch einen geregelten Beruf aus. Im Gegensatz zu Fußballspielern, die quasi ohne Altersbeschränkung an nationalen oder internationalen Begegnungen teilnehmen können, gibt es bei Schiedsrichtern eine feste Altersgrenze, nach deren Überschreiten sie keine internationalen Spiele (Höchstalter 45 Jahre) oder Spiele im Profifußball (von Nationalverband zu Nationalverband verschieden) mehr leiten dürfen. Aufgrund des hohen Zeitaufwandes sind viele Schiedsrichter in den höheren Ligen in selbstständigen Berufen wie Arzt, Anwalt oder Kaufmann tätig, die eine eigene Einteilung der Arbeitszeit ermöglichen.

Schiedsrichter in Deutschland

In Deutschland gibt es ca. 80.000 Schiedsrichter (Stand 2007). Bei etwa 100.000 Spielen pro Wochenende in Deutschland reicht diese Zahl jedoch nicht aus, weshalb manche Schiedsrichter zweimal pro Woche Spiele leiten oder die untersten Klassen der Jugendmannschaften nicht mit offiziellen Schiedsrichtern angesetzt werden können. Von einem Schiedsrichter wird dabei erwartet, dass er pro Saison mindestens 6-20 Spielleitungen übernimmt und 3-10 Schiedsrichtersitzungen (ist von Landesverband zu Landesverband unterschiedlich) besucht. Erfüllt er dies nicht, fällt er aus dem „Soll" seines Vereins. Die Vereine müssen je nach Anzahl ihrer Mannschaften und deren Spielklasse eine Mindestanzahl von Schiedsrichtern abstellen. Stellen sie zu wenige ab, müssen sie Strafgelder zahlen und können in manchen Verbänden, wenn dies über mehrere Spielzeiten nicht verbessert wird, auch mit Strafen wie dem Verbot des Ausrichtens von Turnieren oder gar dem Zwangsabstieg der ersten Mannschaft bestraft werden. Im Kreis Heidelberg betrug die Strafe im Jahr 2018 179 Euro für den ersten und 103 Euro für jeden weiteren fehlenden Spielleiter. Dies ist offensichtlich nicht genug, denn 59 von 75 Vereinen zahlen lieber Strafen, als Schiedsrichter auszubilden.[2]

Während der Krise durch den Corona-Virus beschritt der Fußballkreis Mannheim mit dem Schiedsrichterobmann Ivo Leonhardt neue Wege: Das Pilotprojekt "Schiedsrichter-Ausbildung online" wurde initiiert, das allen Interessenten im Badischen Fußballverband offensteht. Die Lehrgangsteilnehmer können an einer Webkonferenz teilnehmen und bekommen Inhalte in "Webinaren" vermittelt. Praktische Inhalte werden später vermittelt, sobald dies wieder möglich ist.[3] Bis zu 60 Teilnehmer nahmen an den Video-Konferenzen und Leonhardt hofft, dass davon später zwei Drittel auch die Prüfung absolvieren. Danach geht es weiter. "Jeder weiß, dass Praxiserfahrung, intensive Neulingsbetreuung bei den ersten Spielen und die Integration in die lokale Schiedsrichtervereinigung sehr wichtig sind."[4]

Um verdiente Schiedsarichter zu ehren und das Amt in den Fokus zu rücken, vergibt die Schiedsrichtervereinigung Mannheim jährlich im Rahmen der Aktion "Danke, Schiri" Auszeichnungen in den Klassen weiblich, U 50 und Ü 50.[5]

Das Schiedsrichteramt ist ein Ehrenamt. In Deutschland gibt es keine professionellen Schiedsrichter. Allerdings erhält man für seine Spielleitungen Spesen, die je nach Landesverband variieren. Für Spiele im unteren Amateurbereich liegen die Spesen unter 20 Euro. Selbst bei einem Oberligaspiel müssen sich der Schiedsrichter mit etwa 50 Euro, die Assistenten mit etwa 25 Euro begnügen (abhängig vom jeweiligen Landesverband). Über dieses Niveau kommen über 99 % der Schiedsrichter (ebenso wie über 99 % der Spieler) nicht hinaus.

Erst im Profifußball werden dem Schiedsrichter höhere Beträge gezahlt. Ein Schiedsrichter in der Bundesliga erhält 3600 Euro pro Spiel, ein Assistent 1800 Euro und der vierte Offizielle ebenfalls 1800 Euro, da dieser auch als Assistent gilt, in der 2. Bundesliga jeweils die Hälfte. In der Regionalliga gibt es schon nur 160 Euro bzw. 80 Euro. Alle Schiedsrichter der 2. Bundesliga müssen dabei aber etwa genauso oft Regionalligaspiele leiten wie Zweitligaspiele.

Für einen Schiedsrichter der Bundesliga kommt es dabei aber zu einem sehr hohen Aufwand: Für ein Spiel an einem Samstag muss er freitags anreisen und kommt erst spätabends am Samstag oder sogar erst sonntags zurück. Die Fahrtkosten, sowie Hotel- und die Verpflegungskosten werden vom DFB erstattet. Zum Zeitaufwand der Schiedsrichter kommen mehrere mehrtägige Lehrgänge des DFB und seines Verbandes pro Monat. Zudem bekommt er einen täglichen Trainingsplan, der auch überprüft wird.

Ein Leistungsschiedsrichter wird mit dem Cooper-Test überprüft, den Schiedsrichter, abhängig vom Verband, meistens ab der Bezirksliga zum Beweis Ihrer konditionellen Leistungsfähigkeit machen müssen. Gefordert wird die Absolvierung einer bestimmten Strecke in einer bestimmten Zeit, z. B. 2700 Meter in 12 Minuten. Es existiert keine Einheitsregelung, so dass die Verbände es unterschiedlich handhaben, ab welcher Spielklasse Leistungstests durchgeführt werden müssen, und ob der Cooper-Test auch 2700 Meter betragen muss. Die Altersgrenze liegt für Bundesliga-Schiedsrichter bei 47 Jahren.

Seit der WM 2006 wird ein neuer Leistungstest durchgeführt. Dabei wird im Intervall 30 Sekunden gelaufen, wobei man 150 Meter schaffen muss und dann geht man 35 Sekunden und muss 50 Meter schaffen. Dieser Test wird auf 10 Runden angesetzt. Einige Landesverbände haben diesen Test übernommen.

Ab der Regionalliga sowie der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals wird ein Schiedsrichter in jedem Spiel beobachtet und benotet. Auf Grund des Schiedsrichter-Skandals 2005 wird dies in Zukunft auch in der ersten Pokal-Hauptrunde der Fall sein. Außerdem werden schon seit eh und je alle Schiedsrichter regelmäßig und im Normalfall mehrfach pro Saison beobachtet, somit ihre Spielleitungen überprüft. Man spricht davon, dass ein Schiedsrichter, der mit 25 Jahren noch nicht Regionalliga pfeift, keine realistische Chance mehr hat, nach ganz oben zu kommen.

Schiedsrichter-Skandal 2005

Hauptartikel: Fußball-Wettskandal 2005

Im Januar 2005 werden dem deutschen Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer Spielmanipulationen vorgeworfen. Hoyzer wird beschuldigt, dass er im Zusammenhang mit Sportwetten Einfluss auf Ergebnisse von ihm geleiteter Spiele genommen und sie damit möglicherweise manipuliert hatte. Der Verdacht, Hoyzer habe Einfluss auf Spielergebnisse genommen, betrifft zunächst das DFB-Pokalspiel der ersten Runde vom 21. August 2004 zwischen dem SC Paderborn 07 und dem Hamburger SV, das überraschenderweise mit 4:2 zu Ende gegangen war, nachdem es zwei dubiose Strafstöße und einen umstrittenen Platzverweis gegen den HSV gegeben hatte. Aber auch fünf Spiele aus der Zweiten Fußball-Bundesliga werden untersucht. Die Partie zwischen LR Ahlen und Wacker Burghausen wurde nach einem Protest von Burghausen und einem entsprechenden Urteil des DFB-Sportgerichts neu angesetzt. Der Hamburger SV hatte ebenfalls Protest gegen die Wertung der 2:4-Niederlage in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den SC Paderborn 07 und die in diesem Spiel von Hoyzer verhängte Rote Karte gegen Emile Mpenza eingelegt. Der DFB-Sportausschuss entschied, dass es keine Wiederholung geben könne, stattdessen wurden der Hamburger SV finanziell entschädigt und die Rote Karte annulliert.

Gewalt gegen Schiedsrichter

Ab dem Jahr 2019 häuften sich Meldungen über Gewalt gegen Schiedsrichter. Die Statistik verzeichnet für die Spielzeit 2018/2019 2.906 Fälle von Gewalt gegenüber Schiedsrichtern - doch die Dunkelziffer liegt deutlich höher.[6] Seit Sommer 2014 mussten im Gebiet des Badischen Fußballverbands 107 Partien wegen Gewalt gegen Schiedsrichter abgebrochen werden. Die meisten Abbrüche gab es im Fußballkreis Mannheim (37).

Die Innenminister der Länder wollen ein bundesweites Lagebild über Gewalt gegen Fußball-Referees in Auftrag geben. Bislang fühlen sich die Amateur-Schiedsrichter mit dem Problem allein gelassen. Der Deutsche-Fußball-Bund hält sich zurück und spielt das Problem eher herunter.[7] Um auf das Problem aufmerksam zu machen, sind Amateur-Schiedsrichter in Streik getreten – in den letzten vier Monaten 2019 allein im Saarland, in Berlin und in Köln. Der DFB verkündet: „Die Landesverbände [streben] eine Ausweitung ihrer Schulungsmaßnahmen für die Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen in Form eines Deeskalationstrainings an. Bereits vorhandene Angebote des DFB und seiner Landesverbände sollen gebündelt, bekannter und leichter zugänglich gemacht werden."

Der mangelnde Respekt gegenüber den Spielleitern ist sicher auch ein Grund für den Schiedsrichtermangel. Im Südwesten fehlen - Stand 2019 - etwa 500 Unparteiische - mit Folgen für unterklassige Amateurclubs. Da kein "echter" Schiri zur Verfügung steht, muss vom jeweiligen Heim-Verein ein "Aushilfs-Schiedsrichter" ohne entsprechende Ausbildung bestimmt werden.[8]

Der Badische Fußballverband hat reagiert und Pflichschulungen für Platzordner-Obmänner (POB) angesetzt. Alle Vereine in den A- und B-Klassen müssen mindestens einen Teilnehmer schicken. Im Januar fand in Mannheim die erste Veranstaltung statt, bei der die POBs auf Konfliktsituationen vorbereitet werden und deeskalierend wirken sollen. Außerdem sollen sie in ihren Vereinen das Erlernte weitergeben.[9]

Internationale Einsätze

Für ein internationales Spiel muss der Schiedsrichter sogar drei komplette Tage einplanen. Ein Schiedsrichter, der auf der FIFA-Liste steht, muss für Spielleitungen, Lehrgänge, Schulungen und Training mindestens 200 komplette Tage pro Jahr aufbringen. Die Altersgrenze für einen FIFA-Schiedsrichter liegt bei 45 Jahren.

Technische Hilfsmittel

Das am weitesten verbreitete Hilfsmittel ist das Funksystem. Der Schiedsrichterassistent hat in seinem Fahnengriff einen Sender installiert, welchen er durch Knopfdruck betätigt. Meist erfolgt das Drücken dieses Schalters mit dem Heben der Fahne. Der Sender löst beim am Arm des leitenden Schiedsrichters angebrachten Empfänger eine Vibration bzw. ein Signalton aus. Da die Anschaffungskosten des Funksystems nicht unerheblich sind, ist es erst ab bestimmten höheren Spielklassen vorgeschrieben, darf aber auch in den unteren Klassen genutzt werden. Es gibt dem Schiedsrichter die Möglichkeit, sich mehr auf das direkte Spielgeschehen zu konzentrieren, ohne ständig den Schiedsrichterassistenten im Blick haben zu müssen, da nun nicht mehr nur optisch, sondern auch über Vibration bzw. Signalton eine Kommunikationsmöglichkeit zwischen dem Gespann besteht.

Des Weiteren standen nach Tests in der UEFA Champions League und einigen nationalen Ligen bei der WM 2006 erstmals in allen Spielen die Schiedsrichter über Funk (Headset) mit ihren Assistenten in Verbindung. Seit einigen Jahren wird auch über den Chip im Ball diskutiert, der ein eindeutiges Überschreiten der Torlinie signalisieren soll, um strittige Entscheidungen wie das Wembley-Tor zu verhindern. Allerdings ist die Technik bisher nicht ausreichend zuverlässig, da mehrfach vom Chip „Tor“ signalisiert wurde, obwohl der Ball das Tor wenn auch knapp, aber dennoch eindeutig, verfehlt hatte. Vielfach wird auch der in anderen Sportarten, z. B. beim Eishockey, angewandte Video-Beweis gefordert; hierzu konnte sich die FIFA aber noch nicht durchringen, lässt diesen aber bei Vergehen, die vom Schiedsrichter nicht erkannt wurden, zur nachträglichen Beurteilung zu. So wurden in der Vergangenheit häufig Disziplinarmaßnahmen auf Grund von Fernsehaufzeichnungen ausgesprochen, zuletzt bei der WM 2006 im „Fall Frings“. Grundvorraussetzung für eine nachträgliche Sperre ist jedoch, dass der Schiedsrichter den Regelverstoß während dem Spiel nicht bereits geahndet hatte oder ausdrücklich nicht ahnden wollte (Vorteilsbestimmung), da „Tatsachenentscheidungen“ unanfechtbar sind.

In der 1. Bundesliga wurde der Videobeweis in der Saison 2017/18 eingeführt, in der 2. in der Saison 2019/20. Der Videobeweis soll Fehlentscheidungen vermeiden. Dazu sitzt fernab vom Spielfeld im sogenannten Kölner Keller der Video Assistant Referee (VAR), im deutschen Sprachraum Videoassistent genannt. Er schaut sich strittige Entscheidungen des leitenden Schiedsrichters auf einem Fernseher in der Wiederholung und gegebenenfalls in Zeitlupe an und teilt diesem per Funk seine Sicht der Dinge mit.

Abbruch eines Spiels

Ein Schiedsrichter soll ein Spiel abbrechen, wenn eine Mannschaft nicht mehr genügend Spieler aufweist (laut Regelwerk weniger als 7), diese Mannschaft nach Toren zurück liegt und der Mannschaftskapitän jener Mannschaft dies verlangt.

Zudem soll er ein Spiel abbrechen, wenn er oder seine SRA tätlich angegriffen oder angespuckt werden (die Autorität des Schiedsrichters ist nicht mehr gegeben). Wenn die Wetterlage oder Zuschauerausschreitungen eine Gefährdung der Spieler darstellen oder die Platzverhältnisse ein ordnungsgemäßes Spiel nicht mehr zulassen, kann das Spiel abgebrochen werden. Hier muss aber zuerst das Spiel unterbrochen werden, wobei die Unterbrechung 30 Minuten nur dann überschreiten soll, wenn absehbar ist, dass das Spiel in Kürze fortgeführt werden kann, ansonsten ist das Spiel abzubrechen.

Im März 2020 wurde wegen Vorkommnissen wie Diskriminierungen und Beleidigungen während des Spiels vom DFB der Drei-Stufen-Plan vorgestellt bzw. konkretisiert. Dieser beinhaltet die Stufen "Spielunterbrechung und Stadiondurchsage" (Stufe 1), "Mannschaften gehen in die Kabine und erneute Stadiondurchsage" (Stufe 2) sowie "Spielabbruch" (Stufe 3).[10]

Bekannte Schiedsrichter

für eine umfassendere Liste siehe Kategorie:Fußballschiedsrichter.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Motivierter Schiedsrichter-Nachwuchs im Kreis Mannheim sport-kuriermannheim.de vom 14.9.2018, abgerufen am 23. Januar 2020
  2. Der Notstand nimmt bedrohliche Ausmaße an rnz.de vom 16.9.2018, abgerufen am 23. Januar 2020
  3. Schiris lernen online morgenweb.de vom 25.3.2020, abgerufen am 26. März 2020
  4. Ausbildung aus der Distanz morgenweb.de vom 12.5.2020, abgerufen am 12. Mai 2020
  5. DANKE an Schiris in Mannheim sport-kuriermannheim.de vom 6.2.2020, abgerufen am 13. Mai 2020
  6. Nimmt die Gewalt gegenüber Schiedsrichtern zu? general-anzeiger.de vom 21.11.2019, abgerufen am 22. Januar 2020
  7. „Die Verantwortung wird weitergeschoben“ deutschlandfunk.de vom 21.12.2019, abgerufen am 22. Januar 2020
  8. Schiedsrichter-Mangel im Südwesten swr.de vom 20.8.2019, abgerufen am 23. Januar 2020
  9. Pflichtschulungen für Platzordner sollen Gewalt im Amateurfußball vorbeugen morgenweb.de vom 22.1.2020, abgerufen am 22. Januar 2020
  10. DFB präzisiert Drei-Stufen-Plan kicker.de vom 6.3.2020, abgerufen am 12. Mai 2020

Weblinks

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