Länderspiel

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Fußballländerspiel Deutschland gegen Kamerun im Zentralstadion Leipzig

Ein Länderspiel ist eine sportliche Begegnung zwischen zwei Nationalmannschaften. Bei einem Länderspiel kann es sich sowohl um ein Freundschaftsspiel als auch um ein Pflichtspiel im Rahmen einer Liga, eines Turniers oder der Qualifikation für ein solches handeln. Bei Sportarten, deren Wettkampf nicht aus einem Spiel besteht, spricht man statt von einem Länderspiel von einem Länderkampf.

Wer als Spieler mindestens ein Länderspiel bestritten hat, darf sich Nationalspieler seines Landes nennen. Die Länderspiele eines Spielers werden gezählt und stellen in der Regel einen wichtigen Leistungsnachweis dar.

Es gibt in vielen Sportarten auch Länderspiele zwischen Jugend- und Juniorenmannschaften. Die Länderspiele in den einzelnen Altersklassen werden separat erfasst, gemeinhin gelten als Länderspiele nur die Spiele in der A-Nationalmannschaft.

Länderspiele im Fußball sind, was das Zuschauer- und Medieninteresse betrifft, die bedeutendsten, insbesondere in Europa und Südamerika. Sie finden in der Regel in großen Stadien statt und werden im Fernsehen übertragen. Vor der Verbreitung des Fernsehens wurde über Länderspiele in den Wochenschauen berichtet. Bei Aufnahmen aus dieser Zeit, die nun im Fernsehen gezeigt werden, handelt es sich in den meisten Fällen um Wochenschauberichte. Je nach Region ziehen aber auch Länderspiele im Hockey, Rugby und Cricket viele Zuschauer an.

Cricket-Länderspiel Australien gegen Indien

Fußball

Spieler und Funktionäre des DFB beim Länderspiel am 5. April 1908 in Basel

Das erste offizielle Länderspiel in der Geschichte des Fußballs fand am 30. November 1872 auf dem Hamilton Crescent bei Glasgow statt, als sich eine schottische und eine von Cuthbert Ottaway angeführte englische Auswahl gegenüberstanden. Das von rund 4.000 Zuschauern verfolgte Spiel endete mit einem 0:0-Unentschieden. Erst 30 Jahre später, am 12. Oktober 1902, folgte das erste offizielle Länderspiel zweier nicht-britischer Auswahlmannschaften: Das Spiel zwischen einem österreichischen und einem ungarischen Team in Wien endete 5:0, Jan Studnicka steuerte drei Tore bei – die Begegnung zwischen einer österreichischen und einer Schweizer Auswahl vom 8. April 1901 gilt als nicht-offiziell. Das erste als offiziell anerkannte Spiel einer Schweizer Auswahl datiert auf den 12. Februar 1905, als in Paris eine französische Auswahl mit 1:0 gewann. Das erste offizielle Länderspiel in der Geschichte des deutschen Fußballs am 5. April 1908 in Basel endete mit einer 3:5 Niederlage der deutschen gegen die Schweizer Auswahl – zuvor hatte es schon 7 Spiele gegeben, die als Ur-Länderspiele in die Geschichte eingingen.

Das erste Länderspiel zwischen einer europäischen und einer außereuropäischen Mannschaft fand am 20. August 1916 in Stockholm zwischen Schweden und den USA statt und endete 3:2 für die USA.[1] 1920 fand das erste Spiel zwischen einer europäischen und einer afrikanischen Mannschaft statt, am 28. August 1920 besiegte Italien die ägyptische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Gent mit 2:1.[2] 1924 fanden während der Olympischen Spiele die ersten Spiele zwischen Europa und Südamerika statt. Am 26. Mai 1924 besiegte Uruguay in Paris Jugoslawien mit 7:0.[3]

Hieß das erste Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz noch „freundschaftlicher Länderkampf“, so kam es im Laufe der letzten Jahrzehnte bei Länderspielen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen so genannten Fans. 1969 lösten Ausschreitungen bei einem WM-Qualifikationsspiel einen Krieg, den „Fußballkrieg“ zwischen Honduras und El Salvador aus.

Mittlerweile gibt es in Deutschland acht Spieler mit mehr als 100 Länderspielen, Rekord-Nationalspieler im Herrenfußball ist Lothar Matthäus mit 150 Länderspielen, der damit auch mehrere Jahre europäischer Rekordhalter war. Bis Mitte der 60er Jahre waren Auswechslungen im Fußball nur in Freundschaftsspielen möglich. Da zudem vor dem Zweiten Weltkrieg die A-Nationalmannschaft auch an den Olympischen Spielen teilnahm, war Uwe Seeler der erste Spieler nach dem Krieg, der mit seinem 72. und letzten Länderspiel den Vorkriegsrekord von Paul Janes überbieten konnte. Da jeder Einsatz, auch wenn er nur wenige Minuten dauerte, als Länderspiel zählt, kommen seitdem selbst durchschnittliche Spieler auf viele Länderspiele. Zudem sind durch die Fußball-Europameisterschaften weitere Qualifikationsspiele hinzugekommen und auch die politischen Umwälzungen im vormaligen Ostblock haben dazu geführt, dass es mehr Spiele wurden, da die europäischen Qualifikationsgruppen für die Welt- und Europameisterschaften ab den 90er Jahren größer wurden. Auch wurde die Südamerika-Qualifikation zur WM geändert: Wurde diese bis zur WM 1994 in Kleingruppen ausgetragen, so treten seit der Qualifikation für die WM 1998 alle zehn südamerikanischen Mannschaften zweimal gegeneinander an, so dass bis zu 18 Spiele pro Mannschaft notwendig sind, wenn keine südamerikanische Mannschaft als Veranstalter direkt qualifiziert ist. Allerdings nahm dafür die Zahl der inoffiziellen Pokalwettbewerbe (z.B. Taça do Atlântico u.a.) in Südamerika ab.

Bei den Frauen sind es sogar 15 Spielerinnen der deutschen Nationalmannschaft, die mehr als 100 Länderspiele vorweisen können, wobei Birgit Prinz (205), Kerstin Stegemann (191), Ariane Hingst (166) und Bettina Wiegmann (154) fünfundfünfzig, einundvierzig, sechzehn bzw. vier mehr aufzuweisen haben als Matthäus. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass bei den Frauen die A-Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen teilnimmt, während es bei den Männern ab Mitte der 50er Jahre bis in die 80er Amateurmannschaften und ab dann U23-Mannschaften waren, womit die Frauen auf mehr Turniere kommen. Zudem beginnen viele Frauen ihre Länderspielkarriere früher und werden seltener verletzt.

In Österreich ist Andreas Herzog der einzige, der mit 103 Spielen eine dreistellige Zahl erreicht hat. In der Schweiz haben mittlerweile drei Spieler mehr als 100 Länderspiele erreicht, Rekordhalter ist Heinz Hermann mit 117 Spielen.

Weltrekordhalter bei den Männern ist mit 181 Länderspielen Mohammad ad-Daʿayyaʿ, bei den Frauen Kristine Lilly mit 347 Einsätzen (Stand Juli 2010). Der erste Spieler, der 100 Länderspiele erreichte war der Engländer Billy Wright. Am 11. April 1959 stellte er diese Marke auf und blieb bis zum 14. Juni 1970 Rekordhalter.

Siehe auch:

Liste der ersten Fußball-Länderspiele
Liste der ersten Frauenfußball-Länderspiele
Liste der Fußballspieler mit mindestens 100 Länderspielen
Liste der Fußballspielerinnen mit mindestens 100 Länderspielen

Die meisten Spiele

1. SchwedenSchweden Schweden: 927 (seit 12. Juli 1908)

2. EnglandEngland England: 889 (seit 30. November 1872)

3. ArgentinienArgentinien Argentinien: 853 bis 889, je nach Zählung (seit 20. Juli 1902)

4. BrasilienBrasilien Brasilien: 863 bis 865, je nach Zählung (seit 20. September 1914)

5. DeutschlandDeutschland Deutschland: 837 (seit 5. April 1908)

6. Korea SudSüdkorea Südkorea: 836 (seit 2. August 1948)

7. UngarnUngarn Ungarn: 829 (seit 12. Oktober 1902)

(Stand: 11. August 2010)

Häufigste Paarungen

Die häufigsten Begegnungen fanden zwischen Nachbarn statt:

  1. ArgentinienUruguay: 198 Spiele (davon 180 offizielle Spiele) zwischen 1901 und 2009[4]
  2. ÖsterreichUngarn: 136 Spiele zwischen 1902 und 2006
  3. BelgienNiederlande: 124 Spiele zwischen 1905 und 2004
  4. EnglandSchottland: 110 Spiele zwischen 1872 und 1999
  5. Schweden - Norwegen: 104 Spiele zwischen 1908 und 2005
  6. Dänemark - Schweden: 102 (101)[5]) Spiele zwischen 1913 und 2009
  7. England - Wales: 99 Spiele zwischen 1879 und 2005
  8. England - Irland (bis 1920)/Nordirland (ab 1921): 98 Spiele zwischen 1882 und 2005, davon 35 gegen Irland vor 1921
  9. Argentinien – Paraguay und Argentinien – Brasilien: je 94 Spiele zwischen 1919 und 2009[6] (davon 86 von der FIFA gezählt) bzw. zwischen 1914 und 2009 [7] (davon 89 von der FIFA gezählt)

Deutschland spielte am häufigsten gegen die Schweiz (50 Spiele), die Schweiz am häufigsten gegen Italien (58 Spiele). Dies ist auch für Italien die häufigste Paarung.

Höchste Siege

In der Liste der höchsten Länderspielsiege stehen auffällig viele gegen pazifische Inselstaaten.

  1. AustralienAmerikanisch Samoa 31:0 (Coffs Harbour, Australien; 11. April 2001)
  2. TahitiCookinseln 30:0 (Papeete, Tahiti; 2. September 1971)
  3. FidschiKiribati 24:0 (Suva, Fidschi; 24. August 1979)
  4. Australien – Tonga 22:0 (Coffs Harbour, Australien; 9. April 2001)
  5. LibyenOman 21:0 (Bagdad; Irak; 1. April 1966) (Bestmarke bis zum 2. September 1971) Höchster Sieg einer afrikanischen Mannschaft.
  6. NordkoreaGuam 21:0 (Taipeh, Taiwan; 11. März 2005)

Vollständige Liste: Liste der höchsten Fußball-Länderspiel-Ergebnisse

Handball

Das erste Länderspiel in der Handballgeschichte fand am 13. September 1925 in Halle (Saale) statt. Das Feldhandballspiel der beiden Männermannschaften von Deutschland und Österreich endete 3:6 für Österreich.

Fast genau fünf Jahre später, am 7. September 1930, wurde das erste deutsche Länderspiel der Frauen ausgetragen. Wie schon bei den Männern standen sich auch dieses mal Deutschland und Österreich gegenüber. Und auch in diesem in Prag ausgetragenen Feldhandballspiel gewann Österreich (4:5).[8]

Rugby

Im Rugby werden Länderspiele meist als Test bezeichnet. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, aber ähnlich zum Cricket, werden im Rugby nicht nur Spiele ausschließlich mit Nationalmannschaften als Länderspiel gezählt, sondern auch Spiele von anerkannten Mehrnationenauswahlen. So vertreten im Rugby Union die British and Irish Lions die Verbände Großbritanniens und Irlands und die Pacific Islanders fünf pazifische Inselstaaten.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. http://www.rsssf.com/tablesz/zwed-intres.html
  2. http://www.rsssf.com/tablesi/ital-intres1920.html
  3. http://www.rsssf.com/tablesj/joeg-intres20.html
  4. http://www.rsssf.com/tablesa/argurures.html
  5. Der Schwedische Verband zählt im Gegensatz zur FIFA und zur DBU das Spiel am 31. Januar 2000 in La Manga mit
  6. http://www.rsssf.com/tablesa/argparares.html
  7. In der rsssf-Statistik werden 93 Spiele gezählt, aber auch 3 als unsicher charakterisiert und das WM-Qualifikationsspiel am 5. September 2009 ist noch nicht berücksichtigt.[1]
  8. DHB.de, Meilensteine des Handballsports von 1908 bis 2003

Weblinks



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