Lohmühle (Stadion)

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Lohmühle
Die Haupttribüne und Blöcke A und B am 16. Juli 2011
Die Haupttribüne und Blöcke A und B am 16. Juli 2011
Frühere Namen
  • Adolf-Hitler-Kampfbahn (1933–1945)
Sponsorenname(n)
  • PokerStars.de-Stadion an der Lohmühle (2011–2013)
Daten
Ort DeutschlandDeutschland Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Eröffnung 12. Mai 1929[1][2]
Oberfläche Naturrasen
Kapazität 10.800 Plätze
Spielfläche 100 × 65 m
Verein(e)
Veranstaltungen
  • Spiele des VfB Lübeck
  • Länderspiele diverser U-Nationalmannschaften

Die Lohmühle, offiziell Stadion Lohmühle[3] oder Stadion an der Lohmühle[4], ist ein reines Fußballstadion in Lübeck. Es liegt innerhalb des Stadtteils St. Lorenz Nord im Bezirk Holstentor Nord und ist die Heimat des VfB Lübeck. Nach Abriss der alten Stehtribüne und dem Bau der neuen Haupttribüne 1996 im Zuge des Aufstiegs in die 2. Bundesliga ein Jahr zuvor fasste das Stadion 17.869 Plätze, darunter etwa 4.400 überdachte Sitzplätze. Die Lohmühle war lange Zeit vor dem Kieler Holstein-Stadion (15.034 Plätze) das größte Stadion in Schleswig-Holstein. Durch diverse Beschränkungen (Sicherheit, Brandschutz, TV- und Medienbereiche) sind aktuell 10.800 Plätze nutzbar.

Geschichte

Geschichte bis 1995

Der Sportplatz Lohmühle wurde ab 1926 von Mitgliedern des ATSV Lübeck (heute TuS 93) erbaut und am 12. Mai 1929 eröffnet.[5][6][7] Der Platz verfügte über eine Laufbahn und weitere leichtathletische Anlagen, nicht aber über Tribünen und Umkleidekabinen. Nach dem Verbot des ATSV durch die Nationalsozialisten im Mai 1933 fiel die Anlage an das Deutsche Reich; die Nazis benannten das Stadion in Adolf-Hitler-Kampfbahn um.[8] Weil der eigene Sportplatz Kasernenhof Ende 1934 von der Wehrmacht beansprucht wurde,[9] bekam Gauligist SV Polizei Lübeck den Platz zugewiesen und trug ab November 1934 hier seine Heimspiele aus. Die SV Polizei errichtete dabei für eine Summe von 42.000 Reichsmark zuerst 1937 eine Sitzplatztribüne mit 472 Plätzen (heute Alte Holztribüne) und ein Jahr später eine überdachte Stehplatztribüne für etwa 3000 Besucher auf der damaligen Gegengeraden.[10][11] Das Fassungsvermögen betrug anschließend etwa 7000 Besucher.

Nach 1945 und dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland gab es einen länger dauernden Rechtsstreit zwischen dem neu gegründeten VfB Lübeck als Rechtsnachfolger der SV Polizei Lübeck und dem ATSV Lübeck als Erbauer des ursprünglichen Sportplatzes. Das Stadion wurde zunächst dem ATSV zugesprochen und dem VfB ein Nutzungsrecht eingeräumt. Nachdem Toto-Gelder und städtische Hilfe dem ATSV den Bau eines eigenen Stadions ermöglicht hatten, übernahm der VfB das Stadion über einen Erbpachtvertrag mit der Hansestadt Lübeck und baute in den folgenden Jahren die Stehplatzbereiche weiter aus, sodass bis zu 20.000 Zuschauer Platz fanden wie am 25. Oktober 1959 im Stadtderby der Oberliga Nord gegen den LBV Phönix.[6]

Bau der neuen Haupttribüne

Bis in die 1990er Jahre fanden an der Lohmühle nur kleinere Umbauarbeiten statt, bis der VfB Lübeck 1995 in die 2. Bundesliga aufstieg und mehrere Auflagen erfüllen musste. Unter anderem wurde die von der SV Polizei errichtete Stehplatztribüne durch eine größere Konstruktion ersetzt, die zudem Räumlichkeiten für die Geschäftsstelle und den Fan-Shop, im Untergeschoss Umkleidekabinen sowie im Obergeschoss 22 VIP-Logen, einen VIP- und Presseraum und ein Restaurant enthält. Die vorherige Haupttribüne auf der jetzigen Gegengeraden wird bis heute weiter genutzt und ist inzwischen allgemein als „Alte Holze“ bekannt. Die Kabinen und Räumlichkeiten im Inneren der alten Tribüne werden überwiegend durch die Jugendabteilung des VfB genutzt.

Im Sommer 2000 wurde nach dem Erreichen der neu eingeführten zweigleisigen Regionalliga eine Flutlichtanlage errichtet, die modernen Fernsehstandards entsprach und für den Spielbetrieb in der dritthöchsten Spielklasse inzwischen verpflichtend geworden war. Zuvor hatte das Stadion nur zwischen 1992 und 1995 über eine Beleuchtung verfügt, die im Zuge des Tribünenneubaus weichen musste.[12]

Modernisierungen seit 2019

Zur Saison 2019/20 wurde eine neu gebaute Stehplatztribüne eröffnet. Der neue Block in der „Pappelkurve“ (mittig der Blöcke E und F) wurde rund ein halbes Jahr lang während des Betriebes gebaut und bietet Platz für bis zu 1.400 Fans.[13] Neben der neuen Tribüne entstanden allerdings sichtbehinderte Bereiche, die nicht verkauft werden können. Zudem dürfen ein Drittel der Plätze der „Alten Holze“ aus Brandschutzgründen nicht besetzt werden und auf der Haupttribüne müssen Plätze für TV-Kameras freigelassen werden. Das DFB-Pokal-Spiel gegen den FC St. Pauli im August 2019 galt daher mit 11.000 Zuschauern als ausverkauft.[14]

Die Gegengerade im Juli 2011

Aufgrund des Aufstiegs des VfB Lübeck in die 3. Liga zur Saison 2020/21 musste die Lohmühle für einen sechsstelligen Betrag modernisiert werden. Hinter dem Gästeblock (A-Block) wurde eine 40 Quadratmeter große digitale Anzeigetafel aufgebaut. Wegen diverser Beschränkungen (Sicherheit, Brandschutz, TV- und Medienbereiche) sank die Kapazität auf 10.800 Plätze.[15] Dadurch wurde die Lohmühle vom Kieler Holstein-Stadion (15.034 Plätze) als größtes Stadion Schleswig-Holsteins abgelöst.

Nutzung außerhalb der Spiele des VfB Lübeck

Durch die Errichtung der Flutlichtanlage im Sommer 2000 wurde die Lohmühle zunehmend auch für größere Fußballspiele nutzbar. Zuvor hatten nur vereinzelt andere Vereine (TuS Hoisdorf 1988 im DFB-Pokal gegen Bayern München, Hamburger SV für zwei Spiele im UI-Cup 1999) und der DFB (im April 2000 für ein Frauen-Länderspiel gegen Spanien) die Lohmühle genutzt. Anschließend wurden diverse Junioren-Länderspiele im Stadion Lohmühle ausgetragen (siehe Tabelle). Bei der Qualifikation zur Europameisterschaft der Frauen 2009 wurde ein weiteres Frauen-Länderspiel auf der Lohmühle ausgetragen. Im ausverkauften Stadion sahen insgesamt 17.000 Zuschauer die erste Heimpartie der deutschen Nationalmannschaft nach dem WM-Titel. Gegen Belgien gewann Deutschland durch Tore von Kerstin Garefrekes, Sandra Minnert und Birgit Prinz mit 3:0.[16] Mehr Zuschauer gab es bisher bei keinem anderen EM-Qualifikationsspiel.[17]

Der DFB vergab zudem Spiele im Ligapokal 2000 (Hamburger SV – Hertha BSC) und 2002 (Bayer LeverkusenWerder Bremen) nach Lübeck.

Zudem nutzten andere Vereine aus Schleswig-Holstein und dem benachbarten Mecklenburg die Lohmühle im DFB-Pokal. So fand am 31. Juli 2011 das Erstrunden-Spiel zwischen dem Oberligisten FC Anker Wismar und Bundesligist Hannover 96 in Lübeck statt, da das Kurt-Bürger-Stadion in Wismar vom DFB für nicht tauglich erklärt wurde.[18] Aus ähnlichen Gründen wurden auch DFB-Pokalspiele des FC Schönberg 95 (2010 gegen den VfL Wolfsburg), des SV Eichede (2017 gegen den 1. FC Kaiserslautern) und des SC Weiche Flensburg 08 (2018 gegen Werder Bremen) auf der Lohmühle ausgetragen.

In der Saison 2011/12 der 2. Bundesliga fand die Begegnung des 1. Spieltags zwischen dem FC St. Pauli und dem FC Ingolstadt 04 aufgrund der gegen St. Pauli verhängten Platzsperre an der Lohmühle statt.[19]

Junioren-Länderspiele

Datum Heim Gast Ergebnis Zuschauer Bemerkungen
25. Nov. 1970 DeutschlandDeutschland Deutschland SchwedenSchweden Schweden 1:0 (1:0) U-19-Junioren
01. Sep. 2000 DeutschlandDeutschland Deutschland GriechenlandGriechenland Griechenland 2:1 (0:0) 4.500 U-21-Junioren
10. Okt. 2003 DeutschlandDeutschland Deutschland IslandIsland Island 1:0 (0:0) 6.100 U-21-Junioren
10. Apr. 2007 DeutschlandDeutschland Deutschland SchwedenSchweden Schweden 4:1 (2:0) 2.300 U-19-Juniorinnen
15. Apr. 2007 DeutschlandDeutschland Deutschland SchottlandSchottland Schottland 3:0 (1:0) 2.670 U-19-Juniorinnen
28. Mai  2008 DeutschlandDeutschland Deutschland DanemarkDänemark Dänemark 4:0 (1:0) 5.250 U-21-Junioren
05. Mär. 2014 DeutschlandDeutschland Deutschland FrankreichFrankreich Frankreich 1:3 (0:1) 3.771 U-18-Junioren
04. Sep. 2014 DeutschlandDeutschland Deutschland DanemarkDänemark Dänemark 4:3 (0:1) .0400 U-16-Juniorinnen
03. Sep. 2015 DeutschlandDeutschland Deutschland DanemarkDänemark Dänemark 2:1 (1:0) 4.823 U-21-Junioren
01. Sep. 2016 DeutschlandDeutschland Deutschland ItalienItalien Italien 0:1 (0:0) 3.106 U-20-Junioren
17. Apr. 2017 DeutschlandDeutschland Deutschland DanemarkDänemark Dänemark 3:1 (1:0) 2.077 U-19-Junioren

Lage und Anfahrt

Die Lohmühle befindet sich im Nordwesten Lübecks, direkt an der A 1, Abfahrt Lübeck Zentrum, und ist über sie bequem und schnell zu erreichen, da sie nach der Abfahrt an der Zufahrtsstraße Bei der Lohmühle liegt. Am Stadion befinden sich ca. 500 Parkplätze, was die Zuschauer eher mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren lässt. Allerdings befinden sich in unmittelbarer Nähe der Lohmühle viele weitere Parkplätze von mehreren großen Baumärkten.

Daten

  • Zuschauerkapazität gesamt: 15.292 Plätze[20]
  • Sitzplätze: 5.050 überdacht
  • Stehplätze: 9.315
  • Sitzplätze Gäste: ca. 300
  • Stehplätze Gäste: ca. 1000
  • Behindertenplätze: 10 Rollstuhlplätze in Block B
  • Flutlichtanlage: 96 Lampen, verteilt auf 4 Masten, mit einer Lichtstärke von je 800 Lux
  • Lautsprecheranlage: 18 Lautsprecher
  • Parkplätze: 500
  • Logen: 22 für jeweils 10 Gäste
  • Business-Seats: 315

Sponsoring

Von November 2011 bis Juni 2013 trug die Spielstätte den Sponsorennamen PokerStars.de-Stadion an der Lohmühle. Der Kontrakt mit dem Onlinepoker-Portal soll dem VfB Lübeck jährlich geschätzt rund 100.000 bis 150.000 Euro eingebracht haben.[21]

Literatur

  • Christian Jessen: VfB Lübeck. Ein Jahrhundert Fußballgeschichte in der Hansestadt. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2019, ISBN 978-3-7307-0460-8
  • Werner Skrentny (Hrsg.): Das große Buch der deutschen Fußballstadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, ISBN 3-89533-306-9, S. 236–237

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Lohmühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christian Jessen: VfB Lübeck. Ein Jahrhundert Fußballgeschichte in der Hansestadt. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2019, ISBN 978-3-7307-0460-8
  2. 1929 PDF
  3. Stadion Lohmühle, vfb-luebeck.de, abgerufen am 17. Januar 2020.
  4. Siehe etwa diese Grafik zum Testspiel gegen den Hamburger SV am 23. Januar 2020 auf der Website des VfB Lübeck, abgerufen am 17. Januar 2020.
  5. Lübecker Volksbote, 11. Mai 1929: Anzeige zur Sportplatzweihe, Seite 4.
  6. 6,0 6,1 Christian Jessen: VfB Lübeck. Ein Jahrhundert Fußballgeschichte in der Hansestadt. Verlag Die Werkstatt, 2019, ISBN 978-3-7307-0460-8, S. 281 ff..
  7. Turn- und Sportverein Lübeck von 1893: TuS Lübeck 93 : Festschrift zum 100jährigen Jubiläum. 1993 OCLC 258471999.
  8. VfB Chronik Teil 5: Die Lohmühle; vfb-luebeck.de, vom 25. April 2012, abgerufen am 10. Dezember 2019
  9. Christian Jessen: VfB Lübeck. Ein Jahrhundert Fußballgeschichte in der Hansestadt. Verlag Die Werkstatt, 2019, ISBN 978-3-7307-0460-8, S. 26, 280f..
  10. Christian Jessen: VfB Lübeck. Ein Jahrhundert Fußballgeschichte in der Hansestadt. Verlag Die Werkstatt, 2019, ISBN 978-3-7307-0460-8, S. 283.
  11. Lübecker Volksbote, 8. Januar 1937: Die Erweiterung der Adolf-Hitler-Kampfbahn. S. 11.
  12. Christian Jessen: VfB Lübeck. Ein Jahrhundert Fußball-Geschichte in der Hansestadt. Die Werkstatt, Göttingen 2019, ISBN 978-3-7307-0460-8, S. 169, 287.
  13. VfB Lübeck: Spielplan für die Saison 2019/20 steht fest - Das erwartet euch in der neuen Saison!.
  14. Lohmühle immer kleiner: Nur 11000 Zuschauer dürfen DFB-Pokalspiel sehen, sportbuzzer.de, 5. August 2019, abgerufen am 17. Januar 2020.
  15. VfB Lübeck: An der Lohmühle wird jetzt gerammt - neue Videowall wächst, Zuschauerkapazität schrumpft, sportbuzzer.de, 3. Juli 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.
  16. Spielbericht auf dfb.de
  17. uefa.com
  18. ostsee-zeitung.de: DFB-Pokalspiel FC Anker Wismar gegen Hannover 96 nach Lübeck verlegt (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv) [1] [2] [[Vorlage:Toter Link/Interner Lua-Fehler: Der Interpreter beendet sich mit dem Status 127.]] Artikel vom 29. Juni 2011
  19. Nur Boll stellt sein Visier richtig ein, kicker.de, 16. Juli 2011 (17. Juli 2011)
  20. Stadion Lohmühle
  21. ndr.de: VfB Lübeck verkauft Stadionnamen


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