Pressebericht 21.03.19

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Waldhof-Delegation freut sich am Frankfurter Landgericht über die Rücknahme des Punktabzugs / Beetz lobt Rechtsprechung

Jubelszenen wie auf dem Rasen

Ein inniger Händedruck mit Rechtsanwalt Johannes Zindel und ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen - das war die erste Reaktion von Geschäftsführer Markus Kompp in Saal 21 des Frankfurter Landgerichts nach der Urteilsverkündung, die dem SV Waldhof die vor der Saison vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) abgezogenen drei Punkte zurückbrachte. Auf dem Flur wurde mit Aufsichtsratschef Christian Beetz, Aufsichtsrat Giovanni Bava und Pressesprecher Domenico Marinese dann so gejubelt, wie es die Spieler des Tabellenführers derzeit auf dem Rasen vormachen. Umarmungen und kräftiges Schulterklopfen prägten das Bild - schließlich hatte der SVW gerade einen juristischen Sieg davongetragen, der den Traditionsclub mit nun 13 Punkten Vorsprung auf Homburg und 14 Zähler vor Saarbrücken (ein Spiel weniger) der Rückkehr in den Profi-Fußball wieder ein großes Stück näher brachte.

„Ich bin fast den Tränen nah“, meinte Kompp zu einer ersten Frage nach seinem Innenleben. Die Mannheimer Delegation am Landgericht in Frankfurt freute sich dabei zunächst über die drei Punkte, die in dieser Saison definitiv zurückkommen, da der Vorsitzende Richter Richard Kästner das Urteil als „vorläufig vollstreckbar“ einordnete. Im Klartext heißt das, dass dem SVW die erspielten Zähler auch dann zurückgegeben werden, wenn der DFB in Berufung vor das Oberlandesgericht geht - wonach es derzeit aussieht.

In diesen Fall müsste der Mannheimer Regionalligist 100 000 Euro für künftige Prozesskosten hinterlegen, die er in einem weiteren Erfolgsfall zurückbekommen würde. „Daran wird es sicher nicht scheitern“, stellte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Beetz noch im Gericht klar. Und sollte der Rechtsstreit in zweiter Instanz gegebenenfalls auch nach der Saison gegen den SVW entschieden werden, hätte das ebenfalls keinen Einfluss mehr auf die sportlichen Endstände der aktuellen Spielzeit. „Darüber sind wir natürlich super happy“, freute sich aus der Ferne Waldhof-Trainer Bernhard Trares. „Das hilft uns natürlich weiter“, sagte der Coach, dem die vorläufige Urteilsbegründung aus der Seele gesprochen haben dürfte. „Der Sport soll von außen nicht beeinflusst werden“, hatte Trares mit Blick auf den Punktabzug nach den Ausschreitungen gegen Uerdingen immer wieder betont und lag damit auf einer Wellenlänge mit Richter Richard Kästner, der den Fairplay-Gedanken in den Vordergrund rückte.

„Ein Punktabzug ist in aller Regel nur gerechtfertigt, wenn er dazu dient, einen unberechtigt erlangten Vorteil wieder rückgängig zu machen“, erinnerte Kästner beispielsweise an Vergehen in Lizenzierungsverfahren. Im Fall Waldhof verfälsche der Punktabzug dagegen den sportlichen Wettbewerb - und diesen in fairer Weise zu fördern, sei schließlich oberster Satzungszweck des Deutschen Fußball-Bundes. Zudem würden die Spieler unverhältnismäßig benachteiligt, die für die Ausschreitungen keine Verantwortung tragen. Deren Interessen seien im Urteil des DFB-Bundesgerichts nicht berücksichtigt, aber erheblich, führte Kästner weiter aus.

Vor allem diese grundsätzlichen Überlegungen dürften es dem DFB - je nach Ausgang einer eventuellen Berufung - schwer machen, wie gewünscht das Instrument des Punktabzugs bei Zuschauervergehen generell einsetzen zu können. „Deshalb war das nicht nur ein Sieg für den Waldhof, sondern für den gesamten Fußball und den Sport“, meinte Geschäftsführer Kompp, während Waldhof-Anwalt Zindel von einem „Armutszeugnis“ für den DFB sprach, weil dieser die eigene Satzung nicht angeschaut habe. Der Verband wird nun nach Prüfung der schriftlichen Urteilsbegründung entscheiden, ob er Berufung einlegt. Laut Vizepräsident Rainer Koch sei aber von diesem Schritt auszugehen. „Der Richterspruch deckt sich nicht mit unserer Rechtsauffassung“, ließ der DFB-Vize vor dem Länderspiel in Wolfsburg über DFB-Sprecher Michael Morsch ausrichten, während im fernen New York Waldhof-Präsident Bernd Beetz jubelte. „Es lebe die deutsche Rechtsprechung“, sagte Beetz senior. „Wenn ich eine Bundesflagge hier hätte, würde ich sie umarmen.“

Info: Urteil des Landgerichts Frankfurt, Aktenzeichen 2-06 O 42018


Quelle: Mannheimer Morgen – 21.03.2019



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