Saisonrückblick 2016/17

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Saisonrückblick 2016/2017

Die Saison sportlich

Coach Kocak verlässt Blau-Schwarz

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„Cheftrainer Kenan Kocak wird seinen bis zum Jahr 2017 datierten Vertrag beim SV Waldhof Mannheim definitiv erfüllen.“ Das war die gute Nachricht knapp eine Woche nach dem verpassten Drittliga-Aufstieg. Der Vorstand Sport Klaus Hafner beendete damit auch sämtliche Spekulationen um die Person des 35-jährigen Fußballlehrers. "Kenan ist die ganze Zeit schon in alle Planungen rund um den Kader für die kommende Spielzeit involviert", sagte Hafner, der um Verständis bat, dass der Cheftrainer nach dem verlorenen Relegationsrückspiel erst einmal Abstand gebraucht hatte. Die Vereinsführung habe nie daran gezweifelt, dass der 35-Jährige seinen bis 2017 laufenden Arbeitsvertrag am Alsenweg erfüllen werde. Vielmehr hätten sogar bereits gute Gespräche bezüglich einer Vertragsverlängerung stattgefunden. Und diese wurde dann sogar noch vor Trainingsbeginn zur Freude des Blau-Schwarzen Anhangs als „vollzogen“ gemeldet: Für weitere drei Jahre, also bis 2019, band sich Kocak an den Verein – ein Treueschwur für kurze Zeit.

Die Saisonvorbereitungen starteten am 25.Juni zunächst „normal“ mit acht Neuzugängen, doch exakt eine Woche später, inmitten von Testspielen und Gesprächen über Spielervertragsverlängerungen sowie Spekulationen um mögliche weitere Neuzugänge (mit klangvollen Namen wie Brasiliens Ex-Weltmeister Lúcio und erfahrenen Bundesligaspielern wie Chinedu Obasi, Patrick Ochs, Sejad Salihović oder Kevin Kurányi) gab es eine Wendung, die vielen Fans und Anhängern den Atem stocken ließ: Kenan Kocak erhielt gemäß einer offenbar vorhandenen Vertragsausstiegsklausel eine Freigabe und verließ mit sofortiger Wirkung den SV Waldhof in Richtung SV Sandhausen und beerbte dort den Ex-Waldhof-Spieler Alois Schwartz, der wiederum kurzfristig eine Offerte des 1. FC Nürnberg annahm. Dass dieser Wechsel dann doch so schnell ging, lag an der "einmaligen Chance" (Kocak) und angeblich auch etwas am Störfeuer aus den eigenen Reihen, wobei er das Präsidium ausdrücklich ausnahm. "Da bin ich zu sehr Waldhöfer, um da ins Detail zu gehen", blieb Kocak bei Andeutungen. Offenbar gab es aber Diskussionen darüber, das Amt des Sportlichen Leiters und des Trainers bereits vor einer Ausgliederung des Spielbetriebs zu trennen. "Es gab keine Ausstiegsklausel, die Ablöse (ca. 200.000 Euro, Anm. d. Red.) wurde frei verhandelt", betonte Kocak, der vor der Vertragsverlängerung bei den Blau-Schwarzen noch dem Drittligisten Großaspach abgesagt hatte. Auch nach Darmstadt und Bielefeld hatten zuvor lose Kontakte bestanden.

Der neue Mann Gerd Dais

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Doch schon wenige Tage später, am 7. Juni, präsentierten die Blau-Schwarzen mit Gerd Dais bereits den neuen Trainer, ein Mann mit „Stallgeruch“ und Kenner der Blau-Schwarzen Szene sowie besten Kontakten in der Region. Dais, dessen Vertrag nach dem Regionalliga-Aufstieg mit dem FC Nöttingen aus finanziellen Gründen nicht verlängert wurde, sagte bei seiner offiziellen Vorstellung: „Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut. Ich habe hier als Spieler meine schönste Zeit gehabt. Die Mannschaft hat das Potenzial, um in der Liga und im Pokal eine gute Rolle zu spielen. Wir werden versuchen, am Ende wieder auf Platz eins oder zwei zustehen, um über die Relegation in die Dritte Liga aufsteigen zu können“.

Desweiteren bezeichnete er den verpassen 3.Liga-Aufstieg als „Betriebsunfall“. „Der muss schnell aus den Köpfen der Spieler, damit wir erneut angreifen können. Der Waldhof wäre nicht der Waldhof, wenn er diesen Rückschlag nicht verkraften würde“. Bereits am Vormittag hatte Gerd Dais ein Gespräch mit Michael Fink, das für ihn erste Priorität hatte. Überhaupt möchte er bald klären, wer aus dem jetzigen Co-Trainerstab „gewillt ist, mit mir zusammen zu arbeiten“.

Seinen Vorgänger Kenan Kocak anzurufen, hatte er vorerst nicht vor, die Informationen, die er bisher sammeln konnte, würden ihm zunächst ausreichen, Der Vertrag zwischen Gerd Dais und dem SV Waldhof wurde bis 2018 ausgearbeitet.


Personelle Entwicklungen und Vorbereitung

Doch wer glaubte, es kehre nun allmählich Ruhe ein, der irrte. Ex-Kapitän Hanno Balitsch, der sich nach Bekanntgabe seines sportlichen Karriereendes durchaus eine weitere Zusammenarbeit hätte vorstellen können, meldete sich nun zu Wort und Schlug das Kapitel SV Waldhof vorerst einmal zu. "Nicht zuletzt aufgrund der Entscheidungen rund um die Trainerposition, und dem Weg der Entscheidungsfindung sowie dem neuen Ansatz der Kaderzusammenstellung, habe ich beschlossen, keine weiteren Gespräche über eine verantwortliche Position beim SV Waldhof zu führen. Das entspricht nicht meinen Ideen und der Fortsetzung des zuletzt erfolgreichen Weges. Ich möchte mich dennoch für die offenen Gespräche mit Bernd Beetz und das darin entgegengebrachte Vertrauen bedanken und Wünsche den Jungs eine erfolgreiche Saison". Somit blieben weiterhin viele Fragezeichen und Nebengeräusche abseits des eigentlichen Geschehens.

Lediglich Randnotizen hingegen waren die Veränderungen im Trainerstab (Co-Trainer Klaus Heitz und Athletiktrainer Dirk Stelly verlängerten ihre auslaufenden Verträge nicht) sowie die Entscheidung von Michael Fink, ein weiteres Jahr als spielenden Co-Trainer zur Verfügung zu stehen. Die Vorbereitungen auf die kommende Runde gingen dennoch planmäßig weiter. Attraktive Testspiele gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach oder den Zweitligisten Eintracht Braunschweig waren Teil dieser. Auch die Verpflichtung von weiteren Spielern sollten vorangetrieben werden. Als besonders schwierig gestaltete sich dabei die Verpflichtung des Ex-Weltmeisters und Brasilianer Lúcio. Die letzte Hürde die es hier zu überwinden galt, ist das deutsche Ausländerrecht. Als Nicht-EU-Ausländer werden Brasilianer in der Ersten und Zweiten Liga gesondert behandelt, hier müssen die Fußball-Spitzenverbände jeweils ihre Einwilligung zu Transfers geben. Eine Beschränkung gibt es allerdings nicht. Auf Amateurebene wird die Sachlage schwieriger. Erst wenn die zuständigen Ausländerbehörden grünes Licht geben und den entsprechenden Spielern Aufenthalts- und Arbeitsrecht gewähren, können diese "nicht selbstständiger Arbeit" nachgehen - also Profi-Verträge unterschreiben. Dass Lucios Familie mit nach Deutschland kommt und er bereits längere Zeit in Deutschland (München, Leverkusen) sowie Italien (Mailand, Turin) gelebt hat, sollte die anstehende Entscheidung eigentlich positiv beeinflussen. Viel Zeit verging somit ins Lande und von der Verpflichtung wurde schließlich dann doch abgesehen.

Während es sportlich in der Vorbereitung eher nur mäßig lief bekam der SV Waldhof nun auch noch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen echten Stimmungsdämpfer verabreicht. Das DFB-Sportgericht verurteilte die Mannheimer wegen Vorkommnissen bei den Aufstiegsrelegationsspielen gegen die SF Lotte (Böllerwürfe, Einsatz von Pyrotechnik, Platzsturm) zu einem Zuschauer-Teilausschluss für das erste Saison-Heimspiel. Über einen Einspruch wurde zwar kurzzeitig nachgedacht, aber zähneknirschend nahm man dieses Urteil letztendlich an und stand fortan zudem unter verschärfter Beobachtung durch den Verband. Anhänger des Mannheimer Traditionsverein durften sich keine weiteren Dummheiten mehr erlauben - sonst drohen härtere Strafen. "Wenn noch einmal ein Böller fliegt und jemand dabei zu Schaden kommt, wird ein richtiges Geisterspiel nicht mehr zu vermeiden sein. Dann wären wir Wiederholungstäter", sagte das für Rechtsfragen zuständige Präsidiumsmitglied Alexander Rudnick.

Die Vorrunde

Der Saisonstart verlief unterdessen optimal, die erste Niederlage gab es erst am 8.Spieltag – ausgerechnet gegen den starken Aufsteiger SSV Ulm 1846. Die erste Formkrise folgte mit vier weiteren Spielen ohne Sieg. Dem anschließenden Erfolg gegen FC Astoria Walldorf folgte danach allerdings eine erneute Niederlage – ausgerechnet gegen den Mitaufstiegs-Kanditaten 1. FC Saarbrücken. Es war offenbar ein Weckruf zur richtigen Zeit, denn bis zur Winterpause siegten die Blau-Schwarzen neunmal hintereinander und festigten auch dank der Patzer der Mitkonkurrenten einen souveränen ersten Tabellenplatz. Einen Wermutstropfen musste der SV Waldhof in der Vorrunde allerdings verkraften: im Badischen Pokal war erneut im Halbfinale Endstation. Gegen die SG Heidelberg-Kirchheim verlor man in einem dramatischen Elfmeterschießen – der Traum vom Finale und der möglichen Teilnahme am DFB-Pokal war zum wiederholten Male ausgeträumt. Zu diesem Zeitpunkt konnte allerdings noch niemand ahnen, dass ein erneutes – weitaus wichtigeres – Elfmerschießen am Saisonende folgen würde.

Die Rückrunde

Die Winterpause nutzte der SV Waldhof zu Vorbereitungsspielen und Hallenturnieren, sowie – erstmals seit Jahren – einem Trainingslager in der Türkei. Cheftrainer Gerd Dais konnte krankheitsbedingt allerdings nicht mit von der Partie sein. Er musste nach einem Blinddarm-Eingriff in der Heimat verweilen. Der Beginn der Rückrunde – mit einigen personellen Kader-Veränderungen – begann mit einem Heim-Nachholspiel gegen die Stuttgarter Kickers, welches mit 3:2 gewonnen wurde. Eine Woche später schlug man den TSV Steinbach und schaffte damit ein weiteres Polster auf den Tabellenplatz 3, der nicht für die Relegations-Teilnahme ausreichen würde. Einer Niederlage bei Hessen Kassel folgten danach allerdings wieder sechs weitere Spiele ohne. Am 35.Spieltag Ende April schließlich war das große Ziel Qualifikation für die Relegationsspiele nach dem 4:2-Erfolg gegen Aufsteiger Teutonia Watzenborn-Steinberg geschafft – als Tabellenzweiter.

Da auch der Tabellenerste und Meister der Südwest-Gruppe, die SV Elversberg, sowie die Meister in den anderen 4 Regionalligen schon frühzeitig feststanden, konnten die Paarungen für die Relegationsspiele zum Drittliga-Aufstieg in dieser Saison – im Gegensatz zur letzten – schon frühzeitig ausgelost werden. Während es die SV Elversberg mit dem souveränen RL-Bayern-Vertreter SpVgg Unterhaching zu tun bekam, hießen die weiteren Begegnungen Viktoria Köln (Meister RL-West) gegen FC Carl-Zeiss Jena (Meister RL-Nordost) sowie SV Waldhof gegen den Nord-Meister und langjährigen Zweitligakonkurrenten der 90-er Jahre, den SV Meppen.

Die Relegation gegen Meppen

In zwei hochspannenden Duellen – Waldhof vor ausverkaufter Kulisse im Carl-Benz-Stadion zuerst zu Hause – hieß es am schwülwarmen Mittwoch-Abend des 31. Mai nach 210 Spielminuten in Meppen 0:0 – das undankbare Elfmeterschießen musste die Entscheidung herbeiführen. Und dieses war wie bereits im BFV-Pokal-Halbfinale hoch dramatisch und – dies war weitaus schlimmer – erneut von tiefer Trauer, Frust und Enttäuschung geprägt. Auch im zweiten Anlauf gelang dem SV Waldhof der Aufstieg in die 3. Liga nicht.

Tag Datum Uhrzeit Heim Aus Erg. Bericht
Hinspiel So., 28. Mai 2017 14:30 Uhr SV Waldhof Mannheim - SV Meppen 0:0 Spielbericht
Rückspiel Mi., 31. Mai 2017 19:00 Uhr SV Meppen - SV Waldhof Mannheim 4:3 (0:0, 0:0) nach Elfemterschießen Spielbericht

Abschiedsspiel Hanno Balitsch

Wenige Tage später, am 9. Juni, fand im Carl-Benz-Stadion das Abschiedssspiel für Ikone Hanno Balitsch statt. Immerhin gaben sich eine ganze Reihe von klangvollen Ex-Mitspielern und Ex-Waldhöfern an diesem Abend die Ehre, doch nicht mehr als 2.073 Zuschauer wollten dieses Spiel letztendlich sehen [1]. Diese Partie war immerhin ein kleiner Trostpreis für eine – unter dem Strich – wiederum enttäuschende Saison für den Blau-Schwarzen Anhang.

Die Nachwuchsteams

Eine äußerst durchwachsene Saison mit gleich drei Trainerwechseln und einem 9.Platz in der Abschlußtabelle erlebte die U23 des SV Waldhof in der Landesliga Rhein-Neckar (7.Liga). Etwas besser – aber leider auch „nur“ Mittelmaß in ihren Oberligen – machten es die Teams der U19 (Tabellenplatz 4), der U17 (Tabellenplatz 5) und U15 (Tabellenplatz 8).

Bemerkenswert war auch, daß in den Landes-Pokalwettbewerben alle Jugendteams (U19-U15) nicht über die Viertelfinals hinwegkamen und allesamt am FC Astoria Walldorf scheiterten. Als Konsequenz des schlechten Abschneidens der zweiten Mannschaft des SV Waldhof wurde eine Neuausrichtung zur neuen Spielzeit beschlossen. Durch diese soll ein nahtloser Übergang zwischen den U19 Mannschaft und dem Lizenzspielerkader gewährleistet werden. Dafür möchte der Verein kurzfristig die Landesliga halten, mittelfristig mit der U23 in die Verbandsliga aufsteigen und, in Abhängigkeit zur Entwicklung der Lizenzspielermannschaft, den Sprung in die Oberliga Baden-Württemberg schaffen. Als erster Neuzugang für die kommende Saison konnte ein echter „Waldhöfer“ gewonnen werden. Dennis Franzin wird in der kommenden Spielzeit wieder das blau-schwarze Trikot tragen. Neuer Trainer der U23 wird Peter Brandenburger.


Die Saison wirtschaftlich

Der neue Investor Bernd Beetz

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Sie begann mit einer Pressekonferenz am Montag, den 06.06.2016 in der Gaststätte „Maruba“ mit einer äußerst unschönen Vorgeschichte: Neu-Investor Bernd Beetz will das Stammkapital in Höhe von einer Million Euro für die noch zu gründende Spielbetriebs-GmbH stellen, in die die Regionalliga-Mannschaft des SVW zur neuen Saison ausgegliedert werden soll. Zwischen dem Präsidium und dem zu weiten Teilen von der Mittelstandsvereinigung "Mannheimer Runde" getragenen Aufsichtsrat ist es wegen der Personalie Beetz inzwischen zum unüberbrückbaren Zerwürfnis gekommen. Und das nicht ohne Kollateralschäden: Präsident Steffen Künster musste seit Ende April sein Amt ruhen lassen, Freitags zuvor traten sechs von sieben Aufsichtsräten zurück, mit Capitol-Geschäftsführer Thorsten Riehle wurde ein sehr vielversprechender Kandidat als neuer Waldhof-Präsident vergrätzt - und mehr als ein halbes Dutzend der Unternehmen der "MR" sollten ihre Sponsorenverträge bereits gekündigt haben. Beetz, der laut "manager magazin" alleine zwischen 2010 und 2012 als Chef des Parfümgiganten Coty 44 Millionen Euro verdiente, konnte die Aufregung um seine Person allerdings überhaupt nicht verstehen.

Zur Person Bernd Beetz • Bernd Beetz wurde in Sinsheim geboren und wuchs in Mannheim auf, wo er auch von 1969 bis 1974 Betriebswirtschaftslehre studierte. • Beetz machte sich vor allem einen Namen als Manager beim Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble und legte dann seinen Schwerpunkt auf die Kosmetikbranche. Beim französischen Luxuskonzern LVMH wurde er 1998 Chef der Marke "Dior" und machte den Duft "J'adore" zu einem Kassenschlager. Elf Jahre lang leitete der 64-Jährige danach mit Coty den größten Parfümkonzern der Welt, der der aus der Region stammenden Milliardärsfamilie Reimann (Reckitt Benckiser) gehört. • Mittlerweile hat sich Beetz aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und agiert in Kontrollgremien. Sein Sohn Christian lebt in Heidelberg.

"Ich bin ein absoluter Konsens-Fanatiker und habe immer wieder das Gespräch mit dem Aufsichtsrat gesucht. Es war enttäuschend, dass das nicht angenommen wurde. Die ganze Polarisierung ist Humbug. Für mich sind diese Animositäten schwer zu greifen", meinte der potenzielle Investor. Laut einem dem „Mannheimer Morgen“ vorliegenden Schriftverkehr war dies aber zumindest nicht die ganze Wahrheit. Demnach gab es den letzten Kontakt zwischen Beetz und dem Aufsichtsrat am 6. Mai, also exakt einen Monat vorher. Wer genau welche Absprachen bei den leidigen Grabenkämpfen in der Vereinsführung nicht eingehalten haben soll, konnte nie gänzlich „geklärt“ werden. Das Präsidium setzte voll und ganz auf die Karte Beetz - und musste sich an dieser Entscheidung mit allen Konsequenzen messen lassen.

Der Parfüm-Millionär war allerdings darum bemüht, den entstandenen Riss im Verein zu kitten. Alle Unternehmen seien eingeladen, dabei mitzuhelfen, den Traditionsverein wieder zurück in den Profifußball zu bringen. Er selbst wolle mit seinem Engagement kein Geld verdienen. "Wenn ich das wollte, würde ich bestimmt nicht beim Waldhof investieren. Das ist eine Fata Morgana", wird Beetz deutlich und ergänzt: "Die größte Rendite für mich wäre, wenn wir tolle Erlebnisse wie beim Relegations-Heimspiel gegen Lotte dauerhaft im Carl-Benz-Stadion haben können. Ich habe eine klare Renditevorstellung: Ich will, dass der Waldhof sportlich erfolgreich ist."

Dennoch wurden längst nicht alle Fragen rund um die Zukunft des SVW an diesem sonnigen Montagmorgen bei der Pressekonferenz geklärt. Was wird aus Geschäftsstellenleiter Stephan Pfitzenmeier, der zurzeit komplett von der "MR" bezahlt wird? "Das sind Dinge, die noch zu besprechen sind", hielt sich Beetz vage, deutet aber an, dass er Pfitzenmeiers Verhalten im Führungsstreit als illoyal gegenüber dem Präsidium empfunden habe. Eine angeblich angedachte verstärkte Zusammenarbeit mit Spielervermittler Roger Wittmann dementierte der gebürtige Sinsheimer ebenso energisch wie vermeintliche Pläne, den Waldhof zu einer Art "Farm-Team" von Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim zu machen.

Personalkarussel und Rückzug der Mannheimer Runde

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Zu Gerüchten, der frühere Geschäftsführer Andreas Laib strebe wieder einen Posten im Verein an, meint der 65-Jährige lediglich: Laib sei ein langjähriger Freund von ihm, das bleibe auch so, für eine Rückkehr gebe es jedoch "keine konkreten Pläne". Nur so viel ließ sich Beetz entlocken, sein ebenfalls anwesender Sohn Christian werde neben ihm im Falle der Ausgliederung einen der drei laut seinem Modell dem Investor zustehenden Aufsichtsratsplätze der GmbH besetzen. Der schwerreiche Manager schloß auch nicht aus, neben seinem Millionen-Investment weiteres Geld als Sponsor in den Verein zu stecken: "Das werde ich mir anschauen." Erst Ende Juli oder Anfang August mussten die Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dann darüber entscheiden, ob sie dazu bereit sind, den Beetz-Weg beim Waldhof mitzugehen.

Exakt einen Tag später nach der offiziellen Beetz-Vorstellung reagierte dann (allerdings nur schriftlich) die „Mannheimer Runde“ mit einer Mitteilung an deren Mitglieder: Der MR-Vorstand betonte dabei nochmals, dass es durchaus ein Alternativ-Modell mit einer Investorengruppe gegeben hätte. Fünf Unternehmen - darunter wohl auch der Heidelberger Immobilien-Unternehmer Jürgen B. Harder - hätten ihre Bereitschaft signalisiert, das nötige Stammkapital von einer Million Euro einzubringen. Das amtierende Präsidium stellte allerdings dagegen in Abrede, dass es ein "belastbares Angebot" gegeben hätte und hatte seinerseits die ausformulierte Absichtserklärung von Beetz dokumentiert – somit stand „Aussage gegen Aussage“. Zugleich kündigte der Vorstand der "Mannheimer Runde" um Sparkassen-Chef Stefan Kleiber an, "die Zusammenarbeit bei der Sponsorensuche und Einbindung der regionalen Wirtschaft" mit sofortiger Wirkung einzustellen. Beetz hingegen hatte bei seiner Präsentation erklärt, auf Unternehmen aus der "Runde" zugehen zu wollen. "Wir brauchen jeden, der mitmachen will", sagte Beetz. Einzelne Firmen aus der "MR" wollten dem Vernehmen nach weiter an ihrem Engagement beim SVW festhalten.

Erneut einen Tag später legte die Mittelstandsvereinigung dann nach und veröffentlichte bis ins Detail ihr Alternativkonzept, wollte damit aber auch einen Schlusspunkt setzen. "In der jetzigen Phase sehen wir es als unsere Pflicht an, dafür zu sorgen, dass wieder Ruhe in den Verein einkehrt", betonte der ehemalige Aufsichtsratschef Thorsten Riehle, der das Konzept der "Freundegesellschaft" sogar auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. So wurden beispielsweise erstmals die Namen der Unternehmer genannt, die das vom DFB geforderte Startkapital für die Spielbetriebsgesellschaft aufbringen wollten. Neben dem bereits bekannten Jürgen B. Harder wollten sich auch Jens Hanreich und Cevdet Celebi, die beiden Vorstände der Mannheimer Immobilien-Holding ProConcept, der geschäftsführende Gesellschafter des Mannheimer Personaldienstleisters Iperdi, Matthias Brohm, sowie der Fitness-Riese Pfitzenmeier und der Heidelberger Klinik-Manager Ahmet Pekki einbringen. Voraussetzung wäre allerdings gewesen, dass sich das bisherige Präsidium im Sinne eines "Neuanfangs" komplett zurückzieht. Spätestens hier dürfte allerdings die rote Linie für die aktuelle Chefetage des Regionalligisten erreicht gewesen sein, die sich daraufhin wiederum umgehend zu Wort meldete. Das nun veröffentlichte Modell sei immer nur "bruchstückhaft bekannt" gewesen, auch Namen wären keine genannt worden, hieß es in der Replik des Präsidiums. Mit Blick auf die anstehende Lizenzierung hätte man handeln müssen. Riehle betont dagegen, das Konzept sowie "die finanzielle Basis sowohl für eine Lizenz als auch für eine Ausgliederung" noch am 4. Mai vorgelegt zu haben.

Damit drehten sich die Parteien mit ihren Darstellungen weiter im Kreis, Riehle betonte allerdings, dass es von Seiten der "Mannheimer Runde" keine Handlungsempfehlung gegeben habe. "Das muss jedes Unternehmen selbst unterscheiden." Vor allem MR-Firmen, die nicht personell in das SVW-Engagement eingebunden waren, sahen den Streitigkeiten auf persönlicher Ebene ohnehin schon länger fassungslos zu - ohne sich davon direkt beeinflussen zu lassen. Auch deshalb wurde nun nicht mit einem wirtschaftlichen Einbruch gerechnet, stattdessen habe das Präsidium laut Riehle die ausgeschiedenen Aufsichtsräte noch vor dem Rückspiel gegen Lotte sogar über ein nicht näher benanntes Sponsoring in Höhe von 1,1 Mio. Euro in Kenntnis gesetzt.

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Nach einigen Tagen „Bedenkpause“ legte schließlich auch Stephan Pfitzenmeier sein Amt als Geschäftsstellenleiter des SV Waldhof mit sofortiger Wirkung nieder. Die Entscheidung sei wohl allerdings unabhängig von anderen Personen gefallen. Rückblick: Der designierte Großinvestor Beetz blieb in Bezug auf Pfitzenmeier anfangs noch vage. "Das sind Dinge, die noch zu besprechen sind", sagte er auf der Pressekonferenz bei seiner Vorstellung, deutete aber auch an, dass er Pfitzenmeiers Verhalten im Führungsstreit als illoyal gegenüber dem Präsidium empfunden habe. "Es war keine einfache Entscheidung. Wir waren aber an einem Punkt, wo durch Weichenstellungen Fakten geschaffen wurden, das Vertrauensverhältnis war belastet, deshalb habe ich diese Entscheidung getroffen", so Pfitzenmeier zu seiner Rücktritts-Entscheidung. Seine persönliche Zukunft ließ er zunächst offen. Doch durch sein Engagement beim SVW habe er aber in jedem Fall Blut geleckt. "Ich könnte mir so etwas in die Richtung schon vorstellen", sagte er. Beim SV Waldhof werde er ebenfalls Mitglied bleiben.

Und die Negativ-Schlagzeilen gingen weiter. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz hatte einen Vermittlungsversuch zwischen dem Vorsitzenden der Mannheimer Runde, Sparkassenchef Stefan Kleiber und dem zurückgetretenen Aufsichtsratschef Thorsten Riehle starten wollen. Das lehnten aber sowohl Kleiber als auch Riehle ab - und der SVW veröffentlichte den gescheiterten Versuch in einer zunächst nur kurzen schriftlichen Stellungnahme lediglich mit einem "Bedauern". Dies wiederum sorgte für Unmut, denn sowohl Riehle als auch Kleiber wollten eigentlich dafür Sorge tragen, dass sich die Wogen glätten. "Wir sehen es als unsere Pflicht an, dafür zu sorgen, dass wieder Ruhe einkehrt", sagte Riehle - nun ist es der Regionalligist, der für Misstöne sorgt. Riehle betonte nach Abstimmung mit allen Beteiligten, dass Kleiber und er grundsätzlich zu einer OB-Vermittlung bereit gewesen seien. Zuvor wollten sie aber noch Details geklärt wissen. Zum Beispiel, was "das Ziel dieser Mediation" hätte sein sollen. Außerdem sollten die Angriffe auf ihn und Kleiber eingestellt werden, es sollte anerkannt werden, dass dem SVW tatsächlich ein Investorenkonzept der MR vorlag und es sollte festgestellt werden, dass die MR keine Sponsoren nötige, beim SVW auszusteigen. In einer weiteren Klub-Mitteilung wurden Details von einem Sponsorenabend erwähnt, bei dem im Zusammenhang mit dem Rückzug der MR Begriffe wie "verbrannte Erde" und "Schmutzkampagne" gefallen sein sollen. Von offenen Diskussionen und freien Meinungsäußerungen sei zu lesen. Das Präsidium ging sogar noch weiter in die Offensive: in einem Brief an seine Partner und Sponsoren wurde sich über eine "unglaubliche Contra-Waldhof-Kampagne" beschwert und behauptet, dass Geldgeber zum Ausstieg beim SVW bewegt werden sollen. "Ergänzend dazu werden entsprechende E-Mails mit anhängenden vorformulierten Kündigungen verschickt", hieß es in dem von Interimspräsident Klaus-Rüdiger Geschwill unterzeichneten Schreiben. Riehle indes dementierte umgehend und betonte, dass die Mannheimer Runde keine Sponsoren nötige, auszusteigen.

Diese Zerreißprobe rief daraufhin nun wiederum den Fan-Dachverband „Pro Waldhof“ auf den Plan mit einem offenen Schreiben zu reagieren: "Wer Eigeninteressen über das Vereinswohl stellt und wer seinen eingegangenen Verpflichtungen gegenüber dem Verein nicht nachzukommen gedenkt, der macht sich an der Geschichte, Gegenwart und Zukunft des SV Waldhof Mannheim schuldig. Wir appellieren daher an alle Seiten, sich auf eine sachliche Ebene zurückzubegeben, anstatt sich zu Lasten des SV Waldhof zu bekämpfen. Was zählt, ist einzig und allein der SV Waldhof. Das offenkundig koordinierte und grundlagenlose Kündigen bestehender Verpflichtungen empfinden wir als einen gegen den Verein und seine Mitglieder gerichteten Akt". Zumindest für ein paar Wochen kehrte daraufhin erst einmal ein wenig Ruhe ein.

Für erneute (allerdings nur leichte) Unruhe im Umfeld sorgte zwischenzeitlich ein neuer Eintrag im Handelsregister des Amtsgerichts Mannheim, laut dem der SV Waldhof eine Spielbetriebs-GmbH mit Klaus-Rüdiger Geschwill als Geschäftsführer gegründet hat. Doch nach Aussage von Alexander Rudnick ginge es dabei lediglich um einen formaljuristischen Akt, Mitglieder würden keineswegs hintergangen. "Die Gesellschaft ist zwar jetzt vorhanden, aber operativ noch nicht tätig. Aktiv wird die GmbH erst, wenn die Außerordentliche Mitgliederversammlung die Ausgliederung beschlossen hat." Der Schritt sei nur erfolgt, um nach vollzogener Ausgliederung effizienter und schneller agieren zu können.

Der neue Geschäftsführer

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Anfang August trat am Alsenweg Markus Kompp als Geschäftsstellenleiter die Nachfolge von Stephan Pfitzenmeier an. Nach einer Ausgliederung soll er außerdem Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH werden. Der 33-jährige Wirtschaftsjurist aus Schwäbisch-Hall war zuletzt beim Drittligisten Hansa Rostock als Vorstandsvorsitzender und Sportdirektor in Personalunion tätig. Geschäftsführer war Kompp bereits von 2010 bis 2012 beim SpVgg Bayreuth. "Wir freuen uns mit Markus Kompp jemanden gefunden zu haben, der unserem Anforderungsprofil entspricht. Er hat in jeder vorangegangenen Station seine fachliche Kompetenz unter Beweis gestellt und verfügt über einen fachlichen und sportlichen Hintergrund", erklärte Interimspräsident Klaus-Rüdiger Geschwill. Kompp freue sich sehr auf die neuen Aufgaben und die damit verbundenen Herausforderungen: "Die gute Arbeit der letzten Saison möchte ich erfolgreich weiterführen."

Mitglieder beschließen Ausgliederung

Auf der Mitgliederversammlung am 15. September war es dann schließlich beschlossene Sache: Der Profi-Spielbetrieb des SV Waldhof wird in die die "SV Waldhof Mannheim 07 Spielbetriebs GmbH" ausgegliedert. Von den 261 stimmberechtigten Anwesenden stimmten 12 gegen eine Ausgliederung, 8 enthielten sich, 241 stimmten dafür - macht 92,3 Prozent. Erforderlich waren 75 Prozent. [2].

Auf einer weiteren Mitgliederversammlung am 24. November wurde mit Klaus-Rüdiger Geschwill ein neuer Präsident des SV Waldhof Mannheim gewählt. [3]

Am 3. Februar ist die Ausgliederung des Profi-Fußballbereichs des SV Waldhof Mannheim 07 e.V. in die „SV Waldhof Mannheim 07 Spielbetriebs GmbH“ in allen Punkten erfolgreich umgesetzt worden. Mit der Eintragung der Kapitalerhöhung im Handelsregister wurde auch der letzte noch offene formale Punkt abgearbeitet und das Spielrecht für die aktuelle Regionalliga-Saison übertragen.

Einzelnachweise



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