Saisonrückblick 2019/20

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Die Saison sportlich

Nach vier Wochen Pause beginnt Saisonvorbereitung

Nach nur vier Wochen Pause startete der SV Waldhof am 17. Juni in die Vorbereitung auf die kommende Saison in der 3. Liga. Der Aufsteiger absolvierte vor 150 Zuschauern im Stadion am Alsenweg das Auftakttraining und blickte nach der Meisterschaft in der Fußball-Regionalliga Südwest ambitioniert in die Zukunft. "Als Aufsteiger willst du erstmal nicht absteigen, aber ich weiß, dass wir eine gute Mannschaft haben", sagte Trainer Bernhard Trares. "Wenn am Ende ein einstelliger Tabellenplatz herauskommt, wäre das super."

Marco Meyerhöfer (SpVgg Greuther Fürth) verließ als einziger Stammspieler den Traditionsclub direkt zum Saisonende, Spielmacher Timo Kern nach Tagen der Unzufriedenheit und noch während der Vorbereitung wenig später zur U23 des FC Bayern München. Benedict dos Santos (VfB Stuttgart II), Jan-Hendrik Marx (Kickers Offenbach) und Mohamed Gouaida (SV Sandhausen) standen hingegen als erste Neuzugänge direkt auf dem Trainingsplatz, die wenige Wochen später noch mit Kevin Koffi (SV Elversberg), Arianit Ferati (Hamburger SV) und Max Christiansen (Arminia Bielefeld) ergänzt wurden.

Neben dem bisherigen Co-Trainer Benjamin Sachs und dem Torwart-Trainer Dennis Tiano wurde der Trainerstab indes ebenfalls erweitert: Mit Dennis Findeisen wurde zusätzlich ein Fitness- und Athletiktrainer vorgestellt.

Die Vorrunde

Bis zum 8.Spieltag blieben die Blau-Schwarzen ungeschlagen, und waren saisonübergreifend bis dato in 30 Liga-Spielen unbesiegt. Auch die Langzeit-verletzungsbedingten Ausfälle von Stammkräften wie (Scholz, Sulejmani) oder auch Diring konnten dank einem variablen und gut zusammengestellten Kader glänzend kompensiert werden. Da man zudem zumeist im oberen Tabellendrittel mitspielte, war die Euphorie nach dem Aufstieg nahezu ungebremst. Auswärts sogar als bestes Team der Liga überwinterten die Blau-Schwarzen auf einem herausragenden 3.(Relegations-)Platz in der Tabelle.

Das Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern auf dem „Betze“

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten im Vorfeld der Hinrunden-Partie auf dem Betzenberg jede Menge Arbeit: Beschmierte Brücken und Unterführungen in Mannheim, zwei abgeschlagene Betonköpfe und ebenfalls Farb-Beschmierungen am Elf-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern und ein ausgesetztes (gestohlenes und ebenfalls beschmiertes) Schwein in der Nähe des Carl-Benz-Stadions. Auch Videos eines betrunkenen Waldhof-Sympathisanten verbreiteten sich per WhatsApp rasend schnell – bis man ihm das Handwerk legte, weil er in einer Botschaft mit einer Schusswaffe hantierte, für die er keinen Besitzschein vorweisen konnte.

Da diese „Aktionen“ an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten waren, sahen sich die Verantwortlichen beider Vereine gezwungen, sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit zu wenden:

„Liebe Fans des SVW und des FCK, am kommenden Sonntag ist es soweit: zum ersten Mal seit 22 Jahren stehen sich die ersten Mannschaften des 1. FC Kaiserslautern und des SV Waldhof Mannheim wieder in einem Ligaspiel gegenüber. Und gar keine Frage, dieses Derby ruft auf allen Seiten große Emotionen hervor. Und das ist auch gut so. Denn es sind ja genau diese Emotionen, die den Fußball für alle Fans so einzigartig machen. Ob in der Pfalz oder in der Kurpfalz, jeder fiebert diesem Spiel entgegen, jeder möchte seine Mannschaft gewinnen sehen. Ob bei den Blau-Schwarzen oder den Rot-Weißen, bei jedem kribbelt es vor diesem Spiel etwas mehr als sonst. Und genau das ist ein echtes Derby – und genau so soll es auch sein. Daher wünschen sich die Verantwortlichen beider Clubs auch, dass an diesem Sonntag die großen Emotionen auf beiden Seiten ausgelebt werden. Auf und auch neben dem Platz. Bei einem solchen Spiel gehört es dazu, dass sich nicht nur die Mannschaften auf dem Platz, sondern auch die Fans auf den Tribünen miteinander messen. Wir wünschen uns daher lautstarke Gesänge aus den Kurven, ohrenbetäubende Anfeuerungen und kreative Fanaktionen. Und auch die ein oder andere kleine Stichelei gegen den Konkurrenten gehört für uns zu einem Derby dazu. Was für uns jedoch nicht zu einem Fußballspiel gehört, ist jegliche Form von Hass und Gewalt. Ob im Vorfeld oder am Spieltag, Gewalt hat beim Fußball wie auch sonst überall nichts zu suchen. Nicht im Vorfeld, nicht auf der Anreise, nicht im Stadion oder nach dem Spiel. Daher appellieren wir an alle Fans, diesen Spieltag zu einem stimmungstechnischen Höhepunkt zu machen. Zu einem Tag, an dem die Fans beider Vereine einmal mehr zeigen, dass man die ganz großen Emotionen nicht in der Bundesliga suchen muss. Zu einem Tag, an dem von Mannheim bis Kaiserslautern echtes Derbyfeeling aufkommt. Zu einem Tag, den alle Fans genießen können. Für Ausschreitungen und Straftaten ist da definitiv kein Platz. Hass und Gewalt grenzen aus - der Fußball aber verbindet! In diesem Sinne, auf in ein emotionales und lautstarkes Derby. Mit viel Stimmung – aber ohne negative Begleiterscheinungen! Die Verantwortlichen des SV Waldhof Mannheim und des 1. FC Kaiserslautern“

Am Spieltag selbst bot die Polizei etwa 1.200 Kräfte auf, um die Sympathisanten aus Baden und der Pfalz schon bei der Anreise zu trennen. Sonderzüge mit zusammen 2.600 Waldhof-Fans rollten aus Mannheim ohne Halt an den Bahnhöfen in Schifferstadt und Neustadt vorbei, wo Hunderte FCK-Anhänger aus der Pfalz auf ihren Transport warteten. Konsequent fortgeführt wurde diese Praxis in Kaiserslautern zwischen Bahnhof und Stadion. Barrieren aus Polizeikarossen verhinderten ein Zusammentreffen der Fans. Unzufriedenheit herrschte bei den Pfälzern, weil sie lange am Bahnhof ausharren mussten, wo dann auch noch ein Zug mit Waldhof-Fans eintraf, der auf das falsche Gleis eingefahren war. Schwerstarbeit für die Beamten, die per Lautsprecher dazu aufriefen, „Gewalt gegen Polizeibeamte“ zu unterlassen.

Als sich die Ost-Tribüne kurz vor Anpfiff komplett in Blau-Schwarz präsentierte, atmeten viele auf. Polizeisprecher Michael Hummel, sagte: „Es gab keinen großen Zwischenfall.“ Man habe die Fans der Gäste getrennt von jenen des FCK ins Stadion bringen können. Zwischenzeitlich war erwogen worden, den Spielbeginn nach hinten zu verlegen. Um 13.06 Uhr wurde schließlich angepfiffen, nachdem einige Bengalos für Nebel gesorgt hatten.

„In den Krallen des Teufels findet ihr den Tod“ stand auf einem riesigen Transparent auf der Westtribüne. Die Waldhof-Fans reagierten mit Schmähgesängen, die sich nach Spielende auf dem Weg Richtung Stadt fortsetzten. Die Lage blieb aber auch hier „insgesamt sehr entspannt“, wie Hummel eine Stunde nach Abpfiff sagte. Es sei allerdings zu einer Verletzung eines Polizisten durch einen Tritt eines SVW-Rowdys gekommen. Zudem musste die Polizei um kurz nach 16 Uhr Schlagstöcke am Elf-Freunde-Kreisel einsetzen, um ein Zusammentreffen der Gruppierungen zu unterbinden. „Ich hoffe, dass alles friedlich bleibt“, hatte 1. FCK-Trainer Sascha Hildmann nach Spielschluss gesagt. Dass in der FCK-Kurve anfangs ein Transparent mit den Worten „Waldhof verrecke“ zu sehen war, kommentierte der Coach mit den Worten: „Ob das gesunder Menschenverstand ist?“

Die Rückrunde bis zum 27.Spieltag

Training

Sie begann nach der kurzen Winterpause mit den Vorbereitungen bereits am 4. Januar und einem Trainingslager im türkischen Side (6. – 14. Januar). Dort bestritt man zwei Testspiele gegen den türkischen Erstligisten und Überraschungs-Tabellenführer Sivasspor sowie den Liga-Konkurrenten Chemnitzer FC.

Ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz war dann der 1:0-Auswärtssieg – dem saisonübergreifend 28.Spiel ohne Niederlage auf fremden Platz in Folge – beim SV Meppen zum Auftakt der Restrückrunde. Beindruckend dabei war die kämpferische Art und Weise, wie der Sieg zu Stande kam. Denn 30 Minuten in Unterzahl und bedingungsloser Wille prägten dieses Spiel. Und nicht wenige im Umfeld waren sich nach diesem Spiel einig: In dieser Spielzeit war den Blau-Schwarzen tabellarisch alles zuzutrauen.

Es folgten daraufhin drei Unentschieden in Folge (jeweils 1:1 zuhause gegen Magdeburg und Jena, sowie in München bei 1860), ehe man am 25.Spieltag mit einem 3:2-Auswärtssieg beim Tabellenführer MSV Duisburg erneut eine Duftmarke setzten konnte. Trotz schleppender Spieler- und Trainer-Vertragsverhandlungen (Kapitän Kevin Conrad machte dies sogar öffentlich und wurde dafür „zurückgepfiffen“) gab es sportlich noch zwei weitere Unentschieden im Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern und ein torloses Remis bei den Würzburger Kickers. Da die anderen Mannschaften sich ebenfalls nicht entscheidend in der Tabelle absetzen konnten, standen die Blau-Schwarzen nach dem 27. Spieltag mit Platz zwei auf einem direkten Aufstiegsplatz zur 2.Liga. Eine Randnotiz hingegen war die zwischenzeitliche Vertragsverlängerung mit dem sportlichen Leiter Jochen Kientz.

Das Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern im Carl-Benz-Stadion

Die Vorzeichen konnten nicht unterschiedlicher sein: Der SV Waldhof nach 25 Spieltagen in der Spitzengruppe der 3.Liga, der 1.FC Kaiserslautern noch sieglos im Jahr 2020 und mit Abstiegssorgen und jeder Menge Unruhe hinter den Kulissen (u.a. der fristlosen Trennung von Torwart-Ikone Gerry Ehrmann, der akuten Lizenzgefährdung aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme).

Von einem „Schlachtfest“ sprachen die Waldhof-Ultras – die Sicherheitsvorkehrungen mussten also erneut gut vorbereitet werden. Zur Besonnenheit riefen die beiden Kapitäne der Vereine, Kevin Conrad und Carlo Sickinger auf.

Am Spieltag selbst hatte die Polizei verhindert, dass gewaltbereite Gruppierungen aus Kaiserslautern und Mannheim aufeinandertrafen. Das Fußballspiel zwischen den beiden Drittliga-Klubs wollten teilweise vermummte FCK-Sympathisanten zu ihrer Bühne machen. Bereits am Samstagmorgen donnerte es in der Ludwigshafener Innenstadt, wo sich die Pfälzer zwischen 10 und 11 Uhr am Berliner Platz versammelten. Zur gleichen Zeit brannten einige Hundert Meter weiter Mannheimer Anhänger bengalische Feuer vor dem Schloss ab. Eine Polizistin erlitt nach Angaben eines Polizeisprechers ein Knalltrauma, als Leuchtraketen im Innenhof des Schlosses abgeschossen wurden. Auf dem Weg zum Stadion wurde eine große Gruppe Demonstrierender von der Polizei eskortiert. Die Demo richtete sich gegen Gewalt, Rassismus und Vorurteile, wurde aber vom Veranstalter schon am Wasserturm offiziell aufgelöst, als wiederum Pyrotechnik abgebrannt wurde. Die knifflige Aufgabe bestand für die Sicherheitskräfte darin, mögliche Kontakte der rivalisierenden Fangruppen untereinander an neuralgischen Punkten penibel zu unterbinden. Während Tausende Mannheimer Fans individuell anreisten, wurden die am Bahnhof ankommenden Gruppen aus der Pfalz zu großen Teilen mit Shuttles ins Stadion gebracht und auf die Gästetribüne begleitet.

Schmähgesänge und lautstarke gegenseitige Beleidigungen gab es auf den Zuschauerrängen schon 90 Minuten vor dem Spiel, das um 14 Uhr angepfiffen werden sollte. Der Einzug der Gäste auf der Tribüne glich einem Sturm. Zur gleichen Zeit fuhr vor dem Stadion um 12.33 Uhr der Mannschaftsbus des 1. FC Kaiserslautern vor. Eine Bierflasche hatte eine Scheibe des Busses bereits zerstört, als die Elf vom Betzenberg ausstieg. Ein friedlicher Nachmittag wurde es für die Einsatzkräfte, die mit Sturmhauben und Helmen am Rande des Gästeblocks versammelt waren, nur zeitweise. Der kritischste Moment spielte sich etwa 20 Minuten nach dem Abpfiff der Begegnung ab. Verbliebene Anhänger beider Teams weigerten sich, trotz mehrfacher Aufforderung durch den Sprecher, das Stadion zu verlassen. Stattdessen gelang es gewaltbereiten Teilen beider Lager, den Platz zu stürmen, wo die Polizei aber in der Lage war, die Situation zu kontrollieren. Die weitere Abreise der beiden Fanlager ging vergleichsweise friedliche vonstatten. Bereits gegen 17 Uhr saß ein großer Teil der Fans der Roten Teufel in einem Zug Richtung Westpfalz. Insgesamt neun Personen nahmen die Beamten am Samstag fest. Dabei ging es um Beleidigungen, Körperverletzung, aber auch um Drogenmissbrauch und Landfriedensbruch.

Polizeidirektor Dirk Herzbach, der den Einsatz leitete, lobte am Abend die Strategie und die intensive Zusammenarbeit mit dem SV Waldhof im Vorfeld der Veranstaltung. Er sagte: „Unser taktisches Konzept einer strikten Fantrennung ging auf.“ Noch nicht ausgewertet waren zu diesem Zeitpunkt indessen Videoaufnahmen aus dem Stadion. Davon erhofften sich die Beamten noch Rückschlüsse auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, was vorrangig im Gästeblock ein Problem darstellte.

Die Pokalrunde

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Sie begann mit dem DFB-Pokalspiel am 11. August 2019 gegen Eintracht Frankfurt. In einem mitreißenden Spiel musste man sich am Ende unglücklich mit 3:5 geschlagen geben, machte aber national Werbung für attraktiven Offensiv-Fußball und nahm zudem viel Schwung mit in die Ligaspiele.

Auf regionaler Ebene im Badischen Pokal kam es im Viertelfinale zum Highlight gegen den Stadtrivalen VfR Mannheim (3:0-Sieg), der inzwischen nur noch sechstklassig unterwegs ist. Im Halbfinale erwarteten die Blau-Schwarzen aus Sicherheitsaspekten im Rhein-Neckar-Stadion den Heidelberger Landesligisten ASC Neuenheim, welches jedoch wegen der Corona-Krise in die neue Saison verschoben wurde.

Die Coronavirus (Covid19) - Krise

Das beherrschende Thema ab dem 11. März 2020 war urplötzlich ein ganz anderes: die weltweite Coronavirus-Epidemie (die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach ab diesem Tag offiziell sogar von einer Pandemie), die auf den gesamten Sport in der Welt und den Fußball-Liga-Spielbetrieb – nicht nur in der 3.Liga – erheblichen Einfluss haben sollte.


Wiki-Waldhof hat die Tages-Schlagzeilen bis zum Re-Start der letzten elf Rückrunden-Spiele daher in der kompletten Chronologie zusammengefasst, da die gesamte Krise einen tiefen Riss in der 3. Liga hinterließ.


>> zur Coronavirus-Chronologie

Die Rückrunde ab dem 28. Spieltag – Elf Spiele in vier Wochen

Gemäß dem umstrittenen – aber letztendlich auch auf alle Drittligisten umgewälzten – Hygienekonzept bezogen die Blau-Schwarzen am 24. Mai ihr Quarantäne-Hotel im Oktober 2016 eröffneten Radisson-Hotel in den Q-Quadraten. Ständiges „steriles“ Pendeln zu den Trainingseinheiten und wieder zurück standen auf dem Tagesprogramm bis nach 84 Tagen „Corona-Zwangspause“ und allen explosiven Diskussionen rund um den Re-Start das runde Leder in der 3. Liga wieder rollte sollte.

Der SV Waldhof re-startete mit seinem ersten Geisterspiel in der Vereinsgeschichte am 30. Mai zu Hause im Carl-Benz-Stadion gegen den KFC Uerdingen, welches mit 1:2 verlorenging – ein erster Dämpfer im Kampf um den Aufstieg, zumal die direkten Konkurrenten dahinter (ausgerechnet überwiegend die Vereine, die auch die Saison-Fortsetzung vehement forderten) an diesem Spieltag allesamt punkteten. Es folgten bis Saisonende am 4. Juli 4 weitere Niederlagen, 3 Unentschieden und nur 3 Siege, was am Ende Rang neun in der Abschlußtabelle bedeutete. Großes (vorprogrammiertes) Verletzungspech und etliche Spieler-Sperren waren die Hauptgründe, warum die Konstanz am Ende nicht mehr da war. Auch der bis zum Re-Start Tabellen-Erste MSV Duisburg wurde noch von der Konkurrenz abgefangen und sorgte für lange Gesichter am Ende einer Saison, die für mächtigen Gesprächsstoff sorgte.

Trainer-Duo verkündet Abschied

Wenige Stunden vor dem vorletzten Saisonspiel bei Eintracht Braunschweig – zu diesem Zeitpunkt war für die Blau-Schwarzen das Aufstiegsrennen schon gelaufen – kam zu aller sportlichen Enttäuschung noch eine weitere Hiobsbotschaft hinzu: Erfolgs-Trainer und Publikums-Liebling Bernhard Trares verkündete – zusammen mit seinem Co-Trainer Benjamin Sachs – den Abschied vom Alsenweg, obwohl man ihm erneut einen Ein-Jahres-Vertrag angeboten hatte. Ob es sportliche Gründe (Sparkurs und Umbruch im Team) waren oder das seit der Winterpause angespannte Verhältnis zu Sportdirektor Jochen Kientz blieb bis zuletzt ein offenes Geheimnis.

Die Nachwuchsteams

Durch die Corona-Pandemie wurden in dieser Saison alle Senioren- und Jugend-Spielklassen ab den Regionalligen abwärts abgebrochen. Die U23 beendete somit als Aufsteiger in der Verbandsliga Nordbaden mit Trainer Frank Hettrich nach 21 Spieltagen die Saison auf Platz 12. Die U19 belegte wie in der letzten Saison in der Oberliga nach 14 Spieltagen Tabellenplatz 3, die U17 nach dem Abstieg in die Verbandsliga nach 12 Spieltagen Platz 4 und die U15 in der Oberliga nach der Meisterschaft im Vorjahr nach 18 Spieltagen Platz 6. In den Verbandspokalrunden war für die U19 bereits im Achtelfinale gegen die U18 der FC Astoria Walldorf Schluß (2:4 nach Elfmeterschießen). Die U17 scheiterte im Viertelfinale zu Hause gegen den SV Sandhausen (ebenfalls im Elfmeterschießen 5:7) und die U15 scheiterte ebenfalls bereits im Achtelfinale gegen die U14 des Karlsruher SC (0:1).


Die Saison wirtschaftlich

Lizenzerteilung ohne Probleme

Nach Abschluss des Zulassungsverfahrens durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) war die Zusammensetzung der 3.Liga für die Saison 2019/2020 am 3. Juni offiziell bekannt gegeben worden. Alle Clubs, die sich sportlich qualifiziert hatten, hatten die wirtschaftliche sowie technisch-organisatorische Leistungsfähigkeit nachgewiesen und damit die Zulassung erhalten. Somit erfüllte auch der SV Waldhof die Auflagen, die anfangs gestellt worden waren. [1]

Querelen, Rücktritte und Stühlerücken im Präsidium

Überraschend erklärte Vizepräsident Stefan Höß kurz vor Saisonbeginn seinen Rücktritt von allen Ämtern. Er wolle "einer avisierten Umstrukturierung des Präsidiums nicht im Wege stehen". Präsident Bernd Beetz sprach von einem einvernehmlichen Wechsel im Präsidium, der laut einem Präsidiumsbeschluss für Oktober ohnehin vorgesehen war. [2] Bereits eine Woche später wurde mit Peter Köhnlein, bisher geschäftsführender Gesellschafter der Office Mix GmbH, die freie Position im Präsidium neu besetzt. Er übernahm den Bereich Finanzen und Sponsoring. Präsidiumsmitglied Wolfgang Gruber übernahm die Position des Vize-Präsidenten im e.V. und darüber hinaus den Platz im Aufsichtsrat der Spielbetriebs GmbH.

Am 3. September folgte dann allerdings der überraschende komplette Rücktritt des Präsidiums und Aufsichtsrates, da staatsanwaltschaftliche Ermittlungen eingeleitet wurden, hüllten sich die Beteiligten zunächst noch in Schweigen. Bereits einen Tag später wurde mit Michelle d'Ancona das erste neue Präsidiumsmitglied des SV Waldhof Mannheim vorgestellt. Mit der Berufung der Finanz- und Budgetexpertin bestand das Präsidium des SV Waldhof nun wieder aus drei Mitgliedern - "um die Handlungsfähigkeit im Verein wieder herzustellen und wichtige Themen nun sachorientiert anzugehen". Zusätzlich nahm d’Ancona den freigewordenen Platz im Aufsichtsrat der Spielbetriebs GmbH ein. Michelle d’Ancona war unter anderem für die Lloyds Banking Groupin Genf und Merrill Lynch Bank in Lugano tätig. Sie hat einen Master in Finanzen an der Universität Paris Dauphine absolviert und einen MBA in International Business am Baruch College in New York.

„Wir sind froh, dass Sie sofort zugesagt hat und dieses für uns wichtige Amt mit ihrem Engagement und ihrer ganzen Kompetenz übernimmt. Wir sind glücklich, diese Personalie im Präsidium schnell und qualitativ geklärt zu haben“, erklärte Präsident Bernd Beetz in einer kurzen Pressemitteilung.

Das Engagement von d’Ancona war allerdings nur von kurzer Dauer, da zu einem späteren Zeitpunkt Birgit Löwer-Hirsch wieder ihren „Rücktritt vom Rücktritt“ erklärte. Im Januar 2020 wurde das Präsidium erneut um eine weitere Person aufgestockt. Tobias Schmidt, Jurist bei der Staatsanwaltschaft in Heidelberg, kümmerte sich fortan um den Rechtsbereich innerhalb des Gesamtvereins. Mitten in der Corona-Krise wurde am 28. April ein Wechsel im Aufsichtsrat des SV Waldhof bekannt gegeben. Im Rahmen einer Neuaufstellung der Spitze des Gremiums stand der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Markus Münch aus persönlichen Gründen nicht mehr für das Amt zur Verfügung. Gewählt wurde Dr. Stefan Fulst-Blei als Aufsichtsratsvorsitzender, sowie Carsten Kempf als stellvertretender Vorsitzender. Fulst-Blei übernahm das Amt vorerst bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im Herbst. Der 51-jährige ist Wirtschaftswissenschaftler und als Landtagsabgeordneter u.a. auch Mitglied im Ausschuss für Kultus, Jugend und Sport. [3]

Ein Jahr nach dem Spielabbruch in der Relegation – was die Zeitung erfuhr

Für eine weitere (negative) Schlagzeile sorgte der Medienpartner des SV Waldhof, der „Mannheimer Morgen“. In seiner Ausgabe vom 14. September berichtete er ausführlich über die Geschehnisse rund um das abgebrochene Relegationsspiel gegen den KFC Uerdingen vom 27. Mai 2018. [4]

Die Mietverhältnisse des „Club der 100“ mit dem Verein

Als wäre die „Nachberichterstattung“ in Sachen Relegationsspiel gegen Uerdingen nicht schon genug gewesen, berichtete der Medienpartner „Mannheimer Morgen“ von undurchsichtigen Vertragsverhältnissen zwischen dem Club der 100 und der SV Waldhof Spielbetriebs GmbH. Beide Seiten bezogen Stellung- und Gegenstellungnahmen, Fragen über Fragen wurden gestellt, die lange Zeit offen blieben und zwischen den Vertragsparteien untereinander – offenbar außergerichtlich – schließlich zufriedenstellend geklärt werden konnten.

Der Lamm-Prozess

Es war der flinke Abgang eines Mannes, der im Sommer 2006 an den Alsenweg gekommen war und 2008 gehen musste. Das Waldhof-Kapitel endete für Rüdiger Lamm aber erst am Montag, den 10. September 2019 vor der Großen Wirtschaftskammer am Mannheimer Landgericht. [5]

Die ordentliche Jahreshauptversammlung

Sie fand am 25. November im Eventcenter Mannheim in der Neckarstadt-West statt und brachte im Wesentlichen keine Überraschungen, auch Proteste gegen den Kurs der Führungsriege um Präsident Bernd Beetz blieben aus. [6]

Die Klage eines Mitglieds gegen Präsident Beetz

Weil er mit der Art und Weise, wie die Wahl des Präsidenten auf der Mitgliederversammlung abgelaufen ist, nicht einverstanden war, klagte ein Waldhof-Mitglied zivilrechtlich gegen die Rechtsmäßigkeit – ein Vergleich letztendlich als beste Lösung. [7]

Die Berufungsverhandlung gegen den DFB

Am 10. März 2020 fand die Berufungsverhandlung gegen den Deutschen Fußball Bund vor dem Oberlandesgericht Frankfurt bezüglich des Punktabzuges statt. Ergebnislos wurde diese jedoch zunächst auf den 21. April, dann wegen der Corona-Krise drei weitere Male auf den 23. Juni verschoben, da man beide Parteien zu einem außergerichtlichen Vergleich aufgefordert hatte.

Doch noch vor dem endgültigen Urteilsspruch am 23. Juni dann wenige Tage zuvor die Bekanntgabe eines Vergleichs: der ursprünglich vom DFB-Bundesgericht verhängte Punktabzug wurde von drei auf zwei Zähler reduziert. Der Punktabzug hatte somit nur noch statistischen Wert mit Blick auf die Abschlusstabelle 2018/19. Die Geldstrafe wurde von 25.000 Euro auf 10.000 Euro herabgesetzt. 7000 Euro von dieser Summe wurden wie gefordert vom SVW bereits in Sicherheitsmaßnahmen investiert.

Als Rückzieher wollte Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp den nun geschlossenen Vergleich nicht bewertet wissen. „Wir sind weiterhin unserer Auffassung“, betonte Kompp, allerdings wurde dem SVW vom DFB unmissverständlich deutlich gemacht, dass der Verband im Fall einer weiteren Niederlage in die nächste Instanz gehen würde. Mit der Aufhebung des ursprünglichen Urteils hätte der DFB das alte Verfahren entsprechend neu aufrollen können – mit der Möglichkeit, Punktabzüge für die aktuelle Saison zu verhängen. „Dieses Risiko war uns angesichts der momentanen Tabellensituation dann doch zu groß“, begründete der SVW-Geschäftsführer das Umdenken.[8]

Umsatzeinbußen durch Corona

Mit einer nur geringfügig erhöhten Kostenstruktur gegenüber dem Aufstiegsjahr, konnte sich der SV Waldhof über einen Zuschauerschnitt von deutlich über 11.000 Fans pro Spiel freuen. Das Carl-Benz-Stadion gehörte zu den sechs größten Zuschauer-Magneten in der 3. Liga. Die Pandemie-bedingte Saisonunterbrechung brachte dann aber alles ins Wanken: Pro Geisterspiel gingen den Blau-Schwarzen laut Geschäftsführer Markus Kompp 250.000 Euro Einnahmen verloren, am Ende der sechs Auftritte ohne Fans stand so ein sattes Minus von 1,5 Mio. Euro. Selbst während der Kurzarbeits-Phase liefen 80 Prozent der Kosten weiter. Auch Präsident Bernd Beetz sprach in einem „MM“-Interview von schweren finanziellen Verlusten, für die er persönlich gerade stehen möchte. „Ja, davon gehe ich aus. Wir haben im vergangenen Jahr 2,2 Millionen Euro Miese gehabt. Für dieses Jahr habe ich noch keine endgültigen Zahlen, aber es wird wohl wieder eine Million sein. Da müssen wir schauen, wie wir das weiter gestalten“. [9]

Einzelnachweise

  1. SV Waldhof erhält Lizenz für die Dritte Liga, www.morgenweb.de, abgerufen am 02. Mai 2019
  2. Waldhof-Vizepräsident Stefan Höß wirft hin, www.morgenweb.de, abgerufen am 05. Juli 2019
  3. Stefan Fulst-Blei zum Aufsichtratsvorsitzenden des SVW gewählt, www.morgenweb.de, abgerufen am 28. April 2020
  4. Sicherheitsdienst zu schwach besetzt bei Uerdingen-Spiel, www.morgenweb.de, abgerufen am 14. September 2019
  5. Jahreshauptversammlung des SV Waldhof, www.morgenweb.de, abgerufen am 09. September 2019
  6. Verfahren eingestellt: Ex-Waldhof-Manager Lamm muss 120.000 Euro zahlen, www.morgenweb.de, abgerufen am 9. November 2019
  7. Gericht prüft Beetz-Wahl zum Waldhof-Präsident, www.morgenweb.de, abgerufen am 10. Januar 2020
  8. DFB gegen Waldhof – die nächste Runde steht an, www.morgenweb.de, abgerufen am 10. März 2020
  9. SV Waldhof: Ohne Fans droht bald das Aus, www.morgenweb.de, abgerufen am 23. Juli 2020


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