Schlappners 70. Geburtstag

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Aus Echo-online zum 70. Geburtstag von Klaus Schlappner

Schlappner wird 70: ,,Gewinne konn nor, wer nie uffsteggt"

70. Geburtstag: Klaus Schlappner ist immer ,,Schlappi " - Der Mann mit dem Pepitahut trainierte Waldhof und den SV 98

Das Gespräch ist auf 30 Minuten angesetzt. Es dauert fast zwei Stunden. Klaus Schlappner ist kaum zu bremsen. Wenn einer etwas zu erzählen hat und das auch gerne tut, dann ist es der Kurpfälzer. Er war und ist Fußballtrainer, Elektromeister und Entertainer, sein Wesen: volkstümlich, witzig, meinungsstark. In Mannheim schuf er einst die legendären ,,Waldhof-Buben" und stieg mit ihnen in die Bundesliga auf. Von 1983 bis 1990 blieb die Mannschaft in der Bundesliga, erst unter Schlappner, dann unter Günter Sebert. Am morgigen Samstag wird ,,Schlappi" - wie er stets genannt wurde - 70 Jahre alt. Doch am leidenschaftlichsten redet der Mann mit dem Pepitahut, seinem Markenzeichen, noch immer über Fußball.

Beim SV Waldhof Mannheim formte er in den achtziger Jahren Talente wie Jürgen Kohler, Maurizio Gaudino oder Fritz Walter. Er führte sie in die Bundesliga und wurde selbst zu einer der schillerndsten Figuren des deutschen Fußballs. ,,Des war hier e doll Zeit für die ganz' Region", sagt Schlappner in typisch Kurpfälzer Mundart. Sein Team nannte er einmal nach einem schlechten Spiel den ,,FC Hühnerhaufen". Solche Sprüche gehörten bei ihm dazu. ,,Die Spieler kommen heute noch. Die wissen, wo bei mir der Kühlschrank steht", meint er auf die ihm eigene Art.

Sein fußballerisches Credo ist noch immer einfach: Die Abwehr verhindert Tore, Mittelfeld und Angriff schießen sie. Von Ketten und dem ,,ganze Brimborium" hält er nicht viel, eigentlich gar nichts. Und seine Weisheiten sind von ähnlicher Einfachheit wie die seines einstigen Nachbarn Sepp Herberger. Denn auf dem Fußballplatz spiegele sich das wahre Leben wider: ,,Gewinne konn nor, wer nie uffsteggt."

Spaßvogel oder Medien-Clown: Die Titulierungen variierten je nach Sympathie. Doch klar war: Wo Schlappner ist, ist Stimmung. ,,Manche bekommen Kopfweh vom Denken, manche Kreuzweh vom Arbeiten. Die zweite Sorte ist mir sympathischer", sagte er einmal. Der Elektromeister trainierte den SV Waldhof und arbeitete parallel in seinem eigenen Betrieb in Biblis. Im Alter von 50 Jahren übergab er ihn an Sohn Volker, denn: ,,Die Jugend muss eine Chance haben."

In der Rhein-Neckar-Region wird er noch immer auf jedem Marktplatz erkannt. Denn so gut wie zu seiner Zeit war ,,der Waldhof" - heute ein heruntergewirtschafteter Viertligist - nie mehr. Zu einem der ganz großen Vereine hat es Schlappner nie geschafft. Der SV Darmstadt 98, der 1. FC Saarbrücken und Carl Zeiss Jena waren seine weiteren Stationen. Zweite Liga.


Mit Darmstadt knapp am Aufstieg gescheitert

Aber mit dem SV Darmstadt 98, bei dem er in der Bundesliga-Saison 1978/79 erst Co-Trainer und nach der Entlassung von Lothar Buchmann für wenige Spiele Cheftrainer beim Absteiger war, hätte er fast noch einmal mit dem SV 98 den Aufstieg in die deutsche Eliteliga-Liga geschafft. Und das ausgerechnet gegen den SV Waldhof. Nach der Saison 1987/88 ging es im entscheidenden dritten Relegationsspiel in Saarbrücken ins Elfmeterschießen. Der Zweitliga-Dritte SV 98 führte 3:2, dann verschoss Karl-Heinz Emig - und die Waldhöfer blieben dank des 5:4-Erfolgs Erstligist. Es war der Anfang vom Ende, denn ab da ging es mit den Lilien-Fußballern bergab. An die Tür zur Bundesliga haben sie seither nie mehr angeknüpft. Im Gegenteil. Wie der Waldhof sind sie heute Viertligist.

Wer weiß, was bei einem Aufstieg hätte entstehen können. Denn Ideen hatte Schlappner stets jede Menge. In ihm spukte ein neues Böllenfalltorstadion, ein reines Fußballstadion, in dem nicht nur Fußball ein Thema sein sollte. Nein, Geschäfte, Kindergärten, Restaurants sollten für die ganze Familie zum Erlebnistag werden. Er war seiner Zeit voraus, die Vorstellungen ließen sich finanziell nicht umsetzen.

Für Klaus Schlappner begann 1992 ein neues Abenteuer: Die ,,klä Miggymaus" (Schlappner über Schlappner) wurde Nationaltrainer Chinas. In der Volksrepublik kannten ihn bald hunderte Millionen Menschen. 1994 etablierte er dort die Profiliga und änderte ,,die Strukturen des Verbandes". Sein Credo: ,,Was der Schlappner sagt, wird gemacht." Den Staatspräsidenten Jiang Zemin begleiteten er und seine Frau Irene zum Staatsbesuch bei Roman Herzog. In Hebei erhielt er die Ehrenprofessor-Würde.

Ein dunkles Kapitel gibt es auch in Schlappners Leben: Bei den Kommunalwahlen 1968 kandidierte er in Lamperthein für die NPD. Das war, erklärt er heute, eine Art Protest gegen den Protest. ,,Die sechziger Jahre waren für mich vollgepackt mit Engagement für dieses Land und meine Familie", erklärt er und nennt: Bundeswehr, Hochzeit, Hausbau, Geburt der drei Kinder, Jägerprüfung und die Gründung seines Betriebs. Das alles fiel in die Zeit der ,,68er". Mit Revolution konnte er nie etwas anfangen. ,,Die wollten den Staat komplett umkrempeln. Das war diese Schlamperzeit. Ehe, Familie und Kinder waren out", sagt Schlappner. Er selbst sei ,,das genaue Gegenteil" gewesen. ,,Ich bin kein Rechter, doch damals war vieles nicht rechtens", meint er. Entschuldigen müsse er sich bei niemandem. Die NPD habe in seinem Leben nie mehr eine Rolle gespielt. Und heute? Neben zwei Jugendprojekten ist er weiter viel in Übersee. Er hat Gastprofessuren in Indonesien und China, Auslandsprojekte im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).


Seine neue Leidenschaft ist Golfspielen

Und er hat seit ein paar Jahren eine neue Leidenschaft gefunden. Golfspielen im Golfclub Biblis-Wattenheim. Aber ,,Schlappi" wäre nicht ,,Schlappi", wenn er nicht etwas Neues, ein Projekt verfolgen würde. Vor fünf Jahren hatte er die Idee, direkt gegenüber des 27-Loch-Platzes ein Hotel am Teich zu bauen. Das Projekt im Schatten des Kernkraftwerks harrt weiter der Verwirklichung.

Doch am Samstag wird erst einmal der Geburtstag gefeiert, mit mindestens 70 Gästen. Auch der Landrat kommt, erklärt Schlappner mit einem gewissen Stolz. Da wird es viel zu erzählen geben. ,,Wir feiern den ganzen Tag", sagt ,,Schlappi".

Quelle: http://www.echo-online.de/sport/svdarmstadt98/Schlappner-wird-70-Gewinne-konn-nor-wer-nie-uffsteggt;art1168,899494



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