Spielbericht 18/19 30.Spieltag: SV Waldhof Mannheim - VfR Wormatia Worms

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SV Waldhof Mannheim 07 1:0 (1:0) Wormatia Worms
SV Waldhof Mannheim.png 30.Spieltag
Samstag, 20. April 2019, 14.10 Uhr MESZ, Carl-Benz-Stadion

Endstand 1:0

Zuschauer: 14.413
Schiedsrichterin: Wacker (Großerlach), Assistenten: Digeser (Ergenzingen), Bauch (Sillenbuch)

Wormatia 08 Logo 2008.png
Startelf (Spielsystem 4-2-3-1):

ScholzMeyerhöfer, Schultz, Seegert, CelikMa.Schuster (C)Kapitän der Mannschaft, KernDeville, G.Korte, DiringSulejmani – Trainer: Bernhard Trares

Einwechslungen:

Scored after 72 minutes 72' Hofrath für Celik
Scored after 76 minutes 76' R.Korte für Kern
Scored after 85 minutes 85' Sommer für Sulejmani

Reserve: Varvodic (Tor), Hirsch, Schwarz, Weißenfels

Es fehlten: Conrad (muskuläre Probleme), Mi.Schuster (Trainingsrückstand nach Kahnbeinbruch im linken Arm), Bouziane (Leistenhernie mit ausgerissener Adduktorensehne am Schambein), Just (Beschwerden nach Zehenbruch), Gäng (Sprunggelenkprobleme), Weis (Handverletzung), Nag, Sprecakovic, Flick, Weik (alle nicht berücksichtigt)

Startelf (Spielsystem 4-1-4-1):

Keilmann – Tritz, Colak (C)Kapitän der Mannschaft, Scheffel, T.Ihrig – Gopko – Moos, Korb, Dorow, Burgio – Ferfelis – Trainer: Steven Jones

Einwechslungen:

Scored after 58 minutes 58' Glockner für T.Ihrig
Scored after 68 minutes 68' Graciotti für Ferfelis
Scored after 81 minutes 81' Dobros für Gopko

Reserve: Reichel (Tor), Afari, Matsumoto, Bajric

Scored after 44 minutes 44' 1:0 Kern (Rechtsschuss, Vorarbeit Meyerhöfer)

Yellow card.png Deville

Yellow card.png Ferfelis, Colak, Scheffel, Korb

Beste Spieler: Meyerhöfer, Sulejmani – Colak, Dorow

Berichte:


Aufstieg in 3. Liga nach Sieg gegen Worms

SV Waldhof am Ziel – blau-schwarze Party ohne Ende

Der 1:0 (1:0)-Erfolg des SV Waldhof gegen den VfR Wormatia Worms war bereits eine gute Stunde Geschichte, da war die blau-schwarze Feier im Carl-Benz-Stadion noch immer in vollem Gang. Mittelfeld-Abräumer Marco Schuster hatte den roten Feuerwehr-Helm der Party-Brigade aufgesetzt, die Sieger-Zigarren waren entzündet und die Bier-Duschen wollten kein Ende nehmen. „Wir fahren in den Osten – scha-la-la-la-la“ tönte es aus der hüpfenden Spielertraube im Kabinengang in Anspielung auf die neuen Gegner in der Dritten Liga, danach ging der neue Regionalliga-Meister nochmals auf die Haupttribüne, um mit den auf dem Rasen versammelten Fans zu feiern. Einen Platzsturm wollten die Verantwortlichen des SVW am Samstagnachmittag zwar vermeiden, aber von einem „Sturm“ konnte keine Rede sein, alles blieb völlig im Rahmen, es herrschte einfach Freude pur.

Diese verkörperte auch Trainer Bernhard Trares in dem ganzen Trubel. „Das ist eine riesengroße Erleichterung. Der ganze Druck ist weg. Alles, was jetzt kommt, ist einfach nur noch Zugabe“, strahlte der Coach und nahm den nächsten Becher Bier über dem Kopf mit Gelassenheit. „Wir wollten den Stempel drauf machen und den Fans einfach einen Sieg schenken. Jetzt haben wir es auch sportlich geschafft, damit niemand sagen kann, wir wären nur wegen des Urteils aufgestiegen“, betonte der 53-Jährige, der auf die beeindruckende Bilanz des SVW verwies. Vier Spieltage vor Saisonende stehen trotz des noch nicht korrigierten Punktabzugs 75 Zähler zu Buche. Da Saarbrücken und Homburg jeweils nur Unentschieden spielten, hätte sich der SVW gegen die letztlich chancenlosen Wormser sogar eine Niederlage erlauben können.

Mit dem 25. Saisonsieg vorzeitig den Titel zu holen, war allerdings umso süßer für den Traditionsclub. „Das ist mega geil. Der Stein, der von uns abgefallen ist, ist so dermaßen groß“, versuchte Torhüter Markus Scholz die Emotionen in Worte zu fassen. Schließlich gehörte der Keeper mit Jannik Sommer und Gianluca Korte zu den Spielern, die bereits drei Mal in der Relegation gescheitert waren. „Diese Jungs zu sehen, wie sie mit den Tränen gekämpft haben - das geht schon unter die Haut. Für die freut es mich am meisten“, meinte Spielmacher Timo Kern, der mit seinem Treffer zum 1:0 (44.) die Weichen endgültig auf Aufstieg gestellt hatte.

Das Spiel war am Ende fast Nebensache, auch wenn es noch einmal ein hartes Stück Arbeit war. Zu Beginn der Partie war vor allen den SVW-Profis anzumerken, dass sie sich – zumindest unterbewusst – durchaus von der Ausgangslage leiten ließen. Schließlich reichte schon ein Punkt, was aber auch bedeutete, dass niemand einen Fehler machen wollte. So tasteten sich beide Teams zunächst lange ab und Worms lauerte auf seine Konterchance, während der SVW versuchte, das Spiel zu machen. Viel Zwingendes kam aber zunächst nicht heraus, die Fans mussten bis in die 16. Minute warten, bis eine scharfe Hereingabe von Valmir Sulejmani die erste ernstzunehmende Torraum-Szene einleitete. Dann war wieder 16 Minuten Funkstille, bevor Sulejmani und danach Kern im Wormser Strafraum geblockt wurden. Ein torloses Unentschieden zur Halbzeit wäre trotz der Mannheimer Feldüberlegenheit sicher das logische Ergebnis gewesen, doch dagegen hatte Spielmacher Kern noch etwas einzuwenden. Ein Angriff über die starke rechte Seite schien von der Wormser Abwehr fast geklärt, doch der Ball kam nochmals zu Kern, der diese Einladung gerne annahm und mit seinem 15. Saisontreffer den 1:0-Halbzeitstand herstellte (44.). Die Erlösung auf der SVW-Bank war entsprechend groß, der gesamte Kader war mit einem Schlag auf dem Rasen und auch auf den Rängen war klar, dass dieser Treffer schon die halbe Miete war. „Nie mehr 4. Liga“, hallte es durchs Carl-Benz-Stadion, bevor es unmittelbar danach in die Kabinen ging.

Dort dürfte sich herumgesprochen haben, dass Verfolger Homburg bereits einem Rückstand nachlief und sich Saarbrücken mit einem 0:0 gegen Walldorf ebenfalls schwer tat. Alles lief also für die Blau-Schwarzen, die nach dem Wiederanpfiff durch Sulejmani die große Chance hatten, zu erhöhen. Nach einer Hereingabe von Kern traf die Direktabnahme des SVW-Torjägers aber nur den Wormser Abwehrchef Jure Colak. Chris Keilmann im Wormser Tor wäre machtlos gewesen (47.). Giuseppe Burgios Versuch über das Tor zeigte zwischenzeitlich, dass auch die Wormser noch da waren (52.), aber der Waldhof war weiter die dominierende Mannschaft, der lediglich das zweite Tor versagt blieb.

Auch Kerns Kopfball nach einer Ecke fand nicht sein Ziel, Keilmann war im bedrohten Eck (63.). Nach und nach ging es aber ohnehin nur noch darum, das Spiel über die Zeit zu bringen, spätestens nach 75 Minuten tat sich auf dem Feld kaum noch etwas, dafür nahm auf den Rängen die Feierstimmung der 14.413 Fans lautstark Fahrt auf. „Das war nochmal verdammt schwer, weil Worms auf unsere Fehler lauerte, aber wir waren darauf vorbereitet und haben das seriös heruntergespielt“, warf Trainer Trares noch einen kurzen Blick auf das Spiel, bevor die Feier vor der Rekordkulisse für ein Regionalliga-Spiel im Südwesten so richtig in die Gänge kam.

„Wir sind endlich am Ziel. Ich kann das noch gar nicht fassen“, sagte Sportchef Jochen Kientz auf dem Weg zum Rasen, wo schon Waldhof-Präsident Bernd Beetz die Stimmung genoss. „Das Spiel vergangene Woche in Offenbach war der Auftakt, heute haben wir die Steigerung erlebt. Das ist einfach nur schön“, freute sich der Mäzen, der sich ebenfalls auf die anschließende Feier freute. „Wir haben ein Fest-Komitee. Ich werde das genau beobachten“, lachte der Unternehmer und schloss sich dem Party-Tross an, der am Samstagabend in einem Mannheimer In-Club die nächste Stufe zünden wollte.


SVW-Fans feiern die Buwe am Wassertrum – zwischen Euphorie und Provokation

In den Minuten nach dem erlösenden 1:0-Heimsieg gegen Wormatia Worms geht für tausende Fans des SV Waldhof Mannheim (SVW) alles ganz schnell. Während ganze Gruppen nach dem entscheidenden Sieg aus dem Carl-Benz-Stadion eilen, um in Transportern an den Wasserturm zu fahren, ziehen dutzende blau-schwarz geschmückte Anhänger als Menschenkette über Seitenstraßen in Richtung des Wahrzeichens der Quadratestadt. Denn sie alle sind gekommen, um den großen Triumph des Aufstiegs gemeinsam zu zelebrieren. Anfangs sind es nur eine Hand voll Getreue des SVW, die mit frenetischen „Nie mehr vierte Liga!“-Sprechchören auf dem Kopfsteinplaster paradieren, doch bald schon versammeln sich laut Informationen eines Polizeisprechers in der Spitze bis zu 1.000 Fans, die zu Beginn noch „ruhig und diszipliniert“ den sicheren Aufstieg in die dritte Liga feiern – und sich dennoch bald schon zu Provokationen gegenüber den Ordnungskräften hinreißen lassen. Da mag die überwiegende Mehrzahl der Fans zivilisiert zum Bier greifen: Immer wieder spucken Rauchtöpfe und bengalische Feuer ihr farbiges Unheil in die Lüfte, sorgen pyrotechnische Raketen bei arglosen Besuchern des Wasserturm-Parks für erschrockene Blicke – oder gar die Flucht aus Angst vor Schlimmerem. Am späten Nachmittag hatten Polizeikräfte „als Zugeständnis an die Fans“ noch einen Vertreter der Mannheimer Ultras auf den abgesperrten Balkon des Wasserturms gelassen, um geordnet für Stimmung zu sorgen – nun zeigten sich zumindest ausgewählte Fans auf ihre Art und Weise erkenntlich. Ein Verhalten, für das auch der Polizeisprecher auf Anfrage klare Worte findet: „Es steht außer Frage, dass diese Delikte ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz sind und wir hätten selbstverständlich mit einer Hundertschaft eingreifen können, um die verantwortlichen Personen ausfindig zu machen, aber damit hätten wir am Ende für noch mehr Eskalation gesorgt.“

So zeigen sich starke Kräfte, die mit Helm und schwerer Schutzausrüstung vor Ort sind, tolerant, um eine insgesamt ruhige Sachlage bemüht – und müssen dabei dennoch ein Bad der Gefühle zwischen Euphorie und Provokation „aushalten“, in dem durchaus nicht nur Beleidigungen gegen den Deutschen Fußball-Bund und dessen Vorgehen gegen den SVW, sondern auch rüde Worte gegen die Beamten fallen.

Der Enthusiasmus allein übernimmt erst, als auch große Teile der Mannschaft nach und nach am Wasserturm eintreffen und es sich nicht nehmen lassen, die Ehren einer beispiellosen Saison von ihren willenlosen Fans entgegenzunehmen. Der Alkohol fließt zu diesem Zeitpunkt längst in rauen Mengen und mit der Zeit wirkt es bei vielen Fans, als habe der große Befreiungsschlag nach 16 Jahren im Amateurfußball auch Kräfte gekostet, derer sich viele nun – im Augenblick der Gewissheit – bewusst werden. Einen letzten Lobgesang stimmen Spieler und Fans am frühen Abend im goldenen Rot der untergehenden Sonne noch an, dann ziehen beide Fraktionen weiter. Die Mannschaft in die Untergründe des Mannheimer Nachtlebens und tausende zufriedene Fans in ihr trautes Heim, von dem sie bald schon zu neuen Großtaten in der dritten Liga aufbrechen wollen.

Quelle: Mannheimer Morgen – 20.04.2019



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