Spielbericht 21. Spieltag 93/94 SV Waldhof Mannheim - Hertha BSC Berlin

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SV Waldhof Mannheim 07 2:2 (1:0) Hertha BSC
SV Waldhof 21.Spieltag
Freitag, 25. Februar 1994, 19.30 Uhr MESZ, Carl-Benz-Stadion

Endstand 2:2

Zuschauer: 27.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Weber (Essen)

Hertha BSC Logo 2012.png
Startelf:

Laukkanen - Nachtweih - Schnalke - Hofmann, Köpper, Larsen, Zeyer, Scheuber, Hecker - Kirsten, Epp - Trainer: Valentin Herr

Einwechslungen:

Scored after 72 minutes 72' Barth für Zeyer
Scored after 84 minutes 84' Preuß für Hecker


Startelf:

Sejna - Rohde - Tanjga, Scheinhardt - Ramelow, Klews, N.Kovac, Wollitz, Demandt, Zernicke - Schmöller - Trainer: Uwe Reinders

Einwechslungen:

Scored after 74 minutes 74' Richter für Scheinhardt


Scored after 39 minutes 39' 1:0 Epp
Scored after 54 minutes 54' 2:0 Larsen

Yellow card.png Hofmann


Scored after 62 minutes 62' 2:1 Wollitz (Foulelfmeter, Schnalke an Zernicke)
Scored after 77 minutes 77' 2:2 Zernicke

Yellow card.png Tanjga, Zernicke, Schmöller

Beste Spieler: Laukkanen, Nachtweih, Hofmann - Tanjga, Ramelow, Zernicke

Bericht:


Der große Glanz ging nur vom Stadion aus / SV Waldhof kam über ein 2:2 gegen Hertha nicht hinaus

Von unserem Redaktionsmitglied Horst Kinscherff

Es wurde eine Premiere mit einem Schönheitsfehler. Der Glanz des neuen Mannheimer Carl-Benz-Stadions übertrug sich nicht wie erhofft auf die Elf des SV Waldhof: Im Eröffnungstreffen gegen Hertha BSC Berlin mußte sich Valentin HerrsTruppe gestern abend ganz entgegen aller Absichten nach Toren von Epp (39.), Larsen (54.) für die Gastgeber sowie Wollitz (62., Foulelfmeter) und Zernicke (77.) mit einem 2:2-Unentschieden begnügen, das am Ende die Stimmung der 27.000 erwartungsfrohen Zuschauer doch etwas dämpfte. Zwar ließ die Mannschaft des Mannheimer Zweitligisten von der Einsatzbereitschaft her nichts zu wünschen übrig, im spielerischen Bereich aber lag zumindest in der ersten Halbzeit einiges im argen. Dem hohen Erwartungsdruck in der top-modernen Arena in Neuostheim waren die Blau-Schwarzen offensichtlich nervlich nicht ganz gewachsen.

Dieser Umstand wirkte sich irgendwie lähmend auf das Spiel der Waldhöfer aus. Sie gingen zwar mit viel Herz die Sache beim Debüt im neuen Stadion an, aber man fand doch lange Zeit keinen Durchschlupf im engen Netz der von LiberoRohde glänzend zusammen gehaltenen Hertha-Abwehr. Epps Führungstor kurz vor der Halbzeit schien den Blau-Schwarzen dann aber doch Flügel wachsen zu lassen. Nach der Pause brachten sie endlich ein paar zündende Ideen ins Spiel ein, ehe ein von Schnalke verwirkter Elfmeter den SVW wieder von der Rolle brachte und ihm letztlich das Genick brach.

Klar, daß sich die Waldhöfer den 27.000 auf den Rängen verpflichtet fühlten. Entsprechend gaben sie vom Anpfiff weg mächtig Gas, aber es war noch zu viel Übereifer im Spiel in dieser Anfangsphase. Und trotzdem hätte es nach noch nicht einmal acht Minuten ums Haar bereits 1:0 für den SVW heißen können, doch Larsens wuchtiger Kopfball aus zirka elf Metern strich knapp am langen Eck vorbei. Das wäre die Führung zum passenden Zeitpunkt gewesen, sie hätte sicher mehr Ruhe in die Aktionen der Mannheimer gebracht.

Die Platzherren sichtlich bemüht, den Gegner in dessen Hälfte festzunageln, aber man setzte sich dabei der Gefahr von Kontern aus. Ein solch schneller, aber zum Glück nicht folgenschwerer Gegenzug über Demandt mußte man als ersten Warnschuß empfinden. Und nach einer knappen halben Stunde lief es den SVW-Fans sogar eiskalt den Rücken hinunter: bei einem weiteren Konter über Demandt parierte Schlußmann Laukkanen nach dessen Flanke zunächst gegen Wollitz und gleich darauf gegen Schmöller in wahrer Teufelskerl-Manier. Das war Riesenglück für die Blau-Schwarzen, die sich im Be- mühen um einen geordneten Spielaufbau äußerst schwer taten.

Sechs Minuten vor der Halbzeit-Pause brauste dann doch noch zum ersten Mal Jubel auf im neuen Carl-Benz-Stadion: Epp stand nach mustergültiger Vorarbeit von Hofmann und Zeyer goldrichtig, köpfte zum 1:0 für die Gastgeber, und damit zum ersten Tor überhaupt in Mannheims neuer Fußball-Arena ein. Kurz darauf hatte Kirsten sogar.das 2:0 auf dem Fuß, aber es sollte nicht sein, er scheiterte an Hertha-Schlußmann Sejna. Es wäre zu diesem Zeitpunkt vielleicht auch ein bißchen zu viel des Guten gewesen.

Mit dem Rückenwind des Führungstreffers spielten die Mannheimer nach Seitenwechsel sichtlich befreiter auf. Gerade hatte es Kirsten erneut verpasst, den Vorsprung auszubauen, da raffte sich Dänen-Import Henrik Larsen zu einer tollen Einzelleistung auf, ließ Scheinhardt und Rohde aussteigen, und schoß unhaltbar aus zwölf Metern zum 2:0 ein (54.). Das war so recht nach dem Geschmack der 27.000, und zum ersten Mal schallte es „Zugabe, Zugabe" von den Rängen. Doch der Dämpfer ließ nicht lange auf sich warten. Acht Minuten später zeigte Schiedsrichter Weber aus Essen nach einem langen Bein Schnalkes gegen Zernicke auf den Elfmeter-Punkt. Wollitz ließ sich diese Chance zum Anschlußtor nicht entgehen. Damit war alles wieder offen. Die Berliner witterten jetzt natürlich wieder Morgenluft, hielten nochmal voll dagegen - und wurden eine gute Viertelstunde vor Schluß auch belohnt: Zernicke zog aus gut 22 Metern ab, und über die Hände von Laukkanen hinweg zischte die Kugel zum 2:2 in den Winkel. Valentin Herrs Schützlinge ließen sich auch durch diesen Nackenschlag nicht entmutigen und bohrten ständig weiter. Hertha-Schlußmann Sejna rettete gegen Kirsten, gegen Epp und war auch bei den letzten verzweifelten Attacken der Waldhöfer nicht mehr zu bezwingen. Schade, wäre doch bloß dieser dumme Elfmeter dem SVW nicht in die Quere gekommen ...

Die Trainerstimmen:

Valentin Herr, Trainer des SV Waldhof: ,,Wir führten 2:0, und dann ist ein Punktverlust eine traurige Sache. Meine Mannschaft hat engagiert gespielt, über 90 Minuten alles gegeben. Wir haben es bei einer Großchance versäumt, das 3:0 zu schießen, bekamen dann einen Strafstoß, der keiner war. Unglücklich das 2:2, kein Vorwurf an Kari Laukkanen, wenn es noch so weh tut. Aber Fehler müssen uns stark machen."

Uwe Reinders, Trainer von Hertha BSC Berlin: „Herzlichen Glückwunsch zu diesem Schmuckstück. Wir wollten auch ein bißchen mitfeiern. Jetzt können wir es, weil wir einen Punkt mitgenommen haben. Ich hoffe jetzt nur noch, daß ein Techniker kommt, der die Duschen heiß bringt, denn die Jungs denken unter der Dusche, sie seien in Lillehammer."


Stimmen zum Spiel:

Peter Hofmann, Präsident des Reiter-Vereins Mannheim: „Dieses Stadion ist große Klasse. Wir sind zwar etwas in Mitleidenschaft gezogen durch unsere Nachbarschaft, aber trotzdem freue ich mich für den SV Waldhof und wünsche ihm, daß er bald wieder aufsteigt."

Udo Scholz, Stadion-Sprecher des 1. FC Kaiserslautern: „Das, was ich hier erlebe, ist wie bei Spielen auf dem Betzenberg gegen große Mannschaften. Die Fans sind hundertprozentig gut drauf. So ein Stadion reizt auch mich immer noch, und ich muß ganz ehrlich sagen, da ich ja beim FCK aufhören werde, ich bin nach allen Seiten offen."

Wilhelm Grüber: „Die Stadion-Eröffnung ist ein großer Meilenstein in meiner Arbeit beim SV Waldhof, und einer der glücklichsten Tage meines Lebens. Mannheim ist um eine wunderschöne Institution reicher."

Fritz Fuchs, Ex-Trainer des 1. FC Saarbrücken: „Ein tolles Stadion, das auch noch dann Atmosphäre hat, wenn nur 10.000 Zuschauer da sind."

Oberbürgermeister Gerhard Widder: „Ich habe mich gefreut, daß zur Eröffnung mit Hertha die Mannschaft aus der deutschen Bundeshauptstadt kam."


Quelle: Mannheimer Morgen – 26.02.1994



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