Waldhof-Film

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Filmplakat Waldhof-Film

Inhalt

Vier Jahre lang begleitete und dokumentierte Florian Erker den SV Waldhof Mannheim in der Regionalliga Südwest. In der Dokumentation ist der steinige Weg durch die drei hintereinander verlorenen Relegationen, mit dem Spielabbruch im eigenen Stadion, dem Kampf mit dem DFB um den Punktabzug, bis hin zum erlösenden Moment des erreichten Aufstiegs gegen Wormatia Worms festgehalten. Emotionen, Hintergründe und nie bisher dagewesene Einblicke: Das ist in Waldhof Wahnsinn - Der Wiederaufstieg eines Traditionsvereins zu sehen.


Bericht:

„Waldhof Wahnsinn“ fasziniert die Fans

Ein weißes Transparent weht über eine Brücke. Darauf stehen die beiden W-Worte, die dem Film seinen Titel und diesem Premierenabend sein Motto geben: „Waldhof Wahnsinn“. Als das Plakat etwa zur Hälfte der rund 50-minütigen Dokumentation auf der Leinwand erscheint, ist es halb heruntergerissen. Denn davor gab es eine riesige Enttäuschung: wie die „Buwe“ nach der Pleite gegen Lotte im Vorjahr 2017 erneut den ersehnten Aufstieg verpassten. Gegen Meppen, im Elfmeterschießen. Das im Viernheimer Kinopolis noch mal zu sehen, ist für Benedikt Koep „sehr ergreifend“, so der damalige Waldhof-Stürmer. Er habe schon auf dem Platz bei den Schüssen seiner Kollegen kaum hinschauen können. Koep, der den Verein ein Jahr später nach der noch größeren Enttäuschung gegen Uerdingen verließ, ist extra zur Premienfeier aus Stuttgart angereist. Ebenso andere frühere Spieler, etwa Hanno Balitsch, Jannik Sommer und Nico Seegert. Für dessen Zwillingsbruder Marcel sind die Meppen-Bilder besonders bitter. Damals verschoss er seinen Elfer. Als er sich das zwei Monate später auf Video angeschaut habe, seien ihm die Tränen gekommen, erzählt der Innenverteidiger. „Zum Glück gibt es nun ja das Happy End“, den Aufstieg. Er sei auch aus Sandhausen zurückgekommen, „weil ich etwas gutzumachen hatte“. Seegert lobt auch die seit Jahren großartige Stimmung im Team.

Perspektive vom Spielfeldrand Die wird in Florian Erkers Dokumentation deutlich. Der Filmemacher hat die „Buwe“ auf ihrer Bergund Talfahrt begleitet. Er durfte zeitweise mit in die Kabine, war sehr nah dran. Durch die Perspektive vom Spielfeldrand aus fehlt das eine oder andere Stimmungsbild von der Süd und speziell der Osttribüne. Aber zwischendurch kommen immer wieder Fans in kurzen Interviews zu Wort. Ebenso der einstige Erstliga-Torjäger Karl-Heinz „Kalle“ Bührer, Ludwig Siffling, vom Publikum am meisten beklatschter Cousin der Waldhof-Legende Otto Siffling, sowie Michael Herberger von den Söhnen Mannheims, der den Verein eines Tages zurück in Liga 1 wünscht. Das kommt gut an im ausverkauften Kinosaal. Rund 300 geladene Gäste sind da, dazu etwa 200 Fans, die 18 Euro für die Karte zahlten. Einige sind verärgert, von der Premieren-Prominenz durch Absperrbänder getrennt zu sein. Aber einige Spieler treten für Selfies heraus. Die Nähe könnte noch intensiver sein, meinen Ralf Huber und sein Sohn Fabrizio. Doch den Film finden sie „super, vor allem die vielen Emotionen“. Zwar hätten sie ganzen Aufs und Abs selbst im Stadion miterlebt. Aber sie jetzt gebündelt auf der Leinwand zu sehen, sei doch etwas anderes. Dem Vater gefällt auch gut, wie die Auseinandersetzung mit dem DFB nach dem Spielabbruch gegen Uerdingen näher beleuchtet wird. „Das sollten sich auch jene Fans mal anschauen, die über den Herrn Kompp herziehen.“ Wie der Geschäftsführer gegen den drohenden Neun-Punkte-Abzug kämpft und ihn vor Gericht zu Fall bringt, nimmt im Film sehr breiten Raum ein. Hier wird ein „Davidgegen-Goliath-Erfolg“ gefeiert. Dass diese Passagen beim DFB weniger gut ankommen könnten, fürchtet Markus Kompp nicht. „Ich habe mir die ganze Zeit auf die Lippen gebissen. Jetzt wollte ich einfach auch mal sagen, wie es war.“

Korte witzelt über Koep Die Gäste sind jedenfalls sehr zufrieden. Polizeipräsident Andreas Stenger lobt die „ganz besondere Atmosphäre, die diesen Traditionsverein ausmacht“. Seinem Kollegen Dirk Herzbach, Einsatzleiter bei Waldhof-Heimspielen, gefallen besonders die Szenen vom Abschlusstraining am Alsenweg. „Da bin ich nebenan aufgewachsen.“ Wolfgang Hannstein aus Feudenheim freut sich über die Bilder vom Spiel gegen Worms, als der Aufstieg perfekt gemacht wurde. „Da war ich im Harz in Urlaub und konnte leider nicht im Stadion sein.“ Er habe dann das Spiel im Videotext verfolgt – und seine Frau ihn im Trikot davor fotografiert. Auch den Spielern gefällt der Film. Gianluca Korte hätte sich nur „noch ein paar Spielszenen mehr“ gewünscht. Als er mit Torwart Markus Scholz auf die Bühne gebeten wird, macht er sich über Ex-Mitspieler Koep lustig, der „als einziger sein Shirt ausgezogen“ habe. In besagter Szene zeigt der Stürmer beim Wasserkanister-Stemmen Bizeps. Als Korte auf seinen Platz zurückgeht, knurrt ihm Koep scherzhaft zu: „Hast du dir das gut überlegt, Gianni?“ Den Aufstieg gönne er dem Waldhof sehr, sagt Koep. „Ich bin jetzt selbst Fan.“ Er wolle auch nach Mannheim zurückkommen. Wann und wie, sei aber noch völlig offen. Im Foyer klingt der Abend allmählich aus. Trainer Bernhard Trares drückt Regisseur Florian Erker die Hand, lobt kurz, aber präzise „guter Film“ und verschwindet in die Nacht. Die ist schwarz. Doch eigentlich ganz klar blau-schwarz.

Quelle: Mannheimer Morgen – 6.12.2019 |}



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